Imperialistisches Schmierentheater: und der kalte Ausverkauf europäischer Energiepolitik

Der Betreiber der defekten russischen Gaspipeline Nord Stream 2 kann weiter nach einem neuen Investor suchen. Und Interesse gibt es in den USA - während der Kreml ein Interesse daran hat, die Lieferungen nach Europa wieder hochzufahren | Photo: Videoscan YouTube

Die Sprengung – Kein Skandal, sondern Kalkül

Im September 2022 wurden die Pipelines Nord Stream 1 und 2 durch gezielte Sabotage beschädigt. Es handelte sich dabei um nichts weniger als einen terroristischen Akt gegen die Energieinfrastruktur Europas. Verantwortlich waren mutmaßlich westliche Dienste – gedeckt oder direkt ausgeführt im Rahmen imperialistischer Interessenpolitik. Statt eine unabhängige Aufklärung zu fordern, nickte die damalige Ampelregierung die Zerstörung ab – faktisch ein politischer Beifall für die Zerreißung jeder verbliebenen Souveränität Deutschlands in der Energiefrage.

 

Von Heinrich Schreiber
13. Mai 2025 | 

Wer profitiert davon? Die USA. Der Anschlag auf Nord Stream war der Paukenschlag zur vollständigen Unterwerfung der EU unter die transatlantischen Energiemärkte. Das Ziel: Russland als günstigen Energielieferanten zu kappen und den europäischen Markt für teures US-Frackinggas zu öffnen.

 

Washingtons langer Arm: Jetzt kaufen die US-Kapitalisten die Pipeline

Nun zeigt sich die nächste Stufe dieses Plans. Während Gazprom seine Verluste bilanziert und der russische Staat Interesse an einer Wiederaufnahme der Lieferungen signalisiert, wittern US-Investoren eine „einmalige Gelegenheit“. Ein US-Milliardär, eng verbunden mit Trump, will sich Nord Stream 2 einverleiben – nicht, um die Leitung stillzulegen, sondern um sie zu nutzen. Mit welchem Gas? Natürlich russischem – nur eben unter US-Kontrolle, wirtschaftlich und politisch

Das ist die doppelte Absurdität des imperialistischen Systems: Die USA verbieten Europa russisches Gas, kaufen sich dann in eine russische Pipeline ein und verkaufen das gleiche Gas als „atlantisch abgesichert“ weiter. Der Inhalt bleibt derselbe – nur der Profit wandert nun in andere Taschen.

 

Die deutsche Regierung: Willfähriger Vollstrecker

Die frühere Bundesregierung unter Scholz ließ sich von Washington diktieren, welche Energiepolitik sie zu betreiben hat. Die jetzige Merz-geführte Koalition laviert, schweigt oder stellt sich taub. Kein Wort zur Aufklärung der Pipeline-Sabotage, kein Widerstand gegen den Ausverkauf europäischer Energieinfrastruktur an US-Kapital. Und das, obwohl es sich um eine strategische Verbindung handelte, für deren Bau deutsche Konzerne Milliarden investiert hatten.

Diese politische Hörigkeit ist kein Zufall – sie ist Teil des atlantischen Vasallenstatus der BRD innerhalb der imperialistischen Kettenstruktur. Deutschland spielt nicht die Rolle eines souveränen Staates, sondern die eines gehorsamen Unterauftragnehmers US-Amerikanischer Großmachtinteressen.

 

Das Embargo als Farce – Russland liefert, aber unter fremder Flagge

Offiziell will die EU bis 2027 auch die letzten russischen Gaslieferungen einstellen. Inoffiziell werden weiter Milliarden Kubikmeter importiert – nur über Umwege. Die Pipeline durch die Ukraine funktioniert weiterhin, ebenso LNG-Lieferungen über Drittstaaten. Und wenn Nord Stream 2 bald unter US-Amerikanischem Vorzeichen wieder ans Netz ginge, hätte man die perfekte Tarnung: Russland bleibt Lieferant, die Profiteure sitzen in New York und Houston.
Was hier sichtbar wird, ist kein Widerspruch, sondern der normale Zustand des imperialistischen Weltsystems: Der Gegner wird verteufelt, wenn es politisch passt – und gleichzeitig weiter als Rohstoffquelle genutzt, wenn es wirtschaftlich nötig ist. Der moralische Überbau dient nur der Meinungslenkung. Die Realität bleibt knallhart ökonomisch.

 

Der Gaskrieg ist Klassenkrieg

Für die werktätige Bevölkerung in Europa bedeutet diese Entwicklung: steigende Energiepreise, erzwungene Energiemärkte, zunehmende Abhängigkeit von einem US-dominierten Versorgungskartell. Während sich Energiekonzerne und transatlantische Investoren die Taschen füllen, zahlen die Massen mit Inflation, Arbeitsplatzverlusten in energieintensiven Industrien und wachsender sozialer Unsicherheit.

Die Sprengung von Nord Stream war keine technische Frage – sie war ein imperialistischer Gewaltakt. Die Übernahme der Pipeline durch US-Kapital ist nicht Rettung, sondern Raub. Und die Zustimmung oder das Schweigen der Bundesregierung ist keine Neutralität – es ist Mittäterschaft.
Schlussfolgerung: Energiepolitik in Arbeiterhand!

Ein konsequenter Standpunkt zur Energiefrage kann nur lauten: Schluss mit dem imperialistischen Machtpoker auf dem Rücken der Bevölkerung. Energieversorgung muss öffentlich, planwirtschaftlich und souverän organisiert werden – nicht dem Weltmarkt, nicht den Börsen, nicht den Konzernen überlassen. Das ist ein schöner Gedanke, nur im Kapitalismus eben nur ein Wunsch, der am System scheitert. Denn nur eine sozialistische Gesellschaft kann garantieren, dass Energie dem Nutzen der Werktätigen dient – und nicht den Dividenden der US-Oligarchie.

Der Fall Nord Stream ist Mahnung und Lehrstück zugleich: Wer sich auf den imperialistischen „Partner“ USA verlässt, wird enteignet, belogen und missbraucht. Die Antwort darauf ist nicht neue Bündnistreue – sondern der Aufbau einer revolutionären, unabhängigen Arbeiterbewegung, die dieses System revolutionär an seiner Wurzel angreift.

 


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Über Heinrich Schreiber 272 Artikel
Heinrich Schreiber hat ein Leben gelebt, das kaum unterschiedlicher hätte sein können: gelernter Photokaufmann, Werkzeug- und Kopierschleifer im Akkord, selbstständiger Wirtschaftsberater. Diese Stationen haben seinen Blick auf Arbeit, Kapital und gesellschaftliche Widersprüche geprägt wie kaum etwas anderes. Den entscheidenden politischen Anstoß gab das Jahr 1967, als die Erschießung Benno Ohnesorgs durch die Polizei eine ganze Generation aufweckte. Für Heinrich war es der Beginn eines jahrzehntelangen Engagements in der Gewerkschaftsjugend, der Roten Garde Kiel/ML und später in der KPD/ML. Heute, als Vater von vier Kindern und erfahrener Beobachter politischer Entwicklungen, schreibt und publiziert er weiter.

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