Gendern ist keine Befreiung – es ist Täuschung

Nicht das Bewusstsein bestimmt das Sein, sondern das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewusstsein - so formulierte es Karl Marx. Die Gendersprache hingegen kehrt dieses Prinzip auf den Kopf | Photo: Videoscan YouTube

Ersatzhandlungen statt Veränderung

 

Was ich noch sagen wollte

Eine Kolumne zum Wochenanfang
von Heinrich Schreiber
Sonntag,  15. Juni 2025 |

 

Die bürgerliche Gesellschaft liebt ihre Ersatzhandlungen. Während Reallöhne sinken, Arbeitszeiten steigen und Millionen Frauen im Spagat zwischen Lohnarbeit, Kindererziehung und Pflege zermürbt werden, diskutieren Talkshows über Satzzeichen und Sprachkosmetik.

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Sprachkosmetik ersetzt keine Politik

Das sogenannte Gendern ist kein Fortschritt. Es ersetzt keinen Klassenkampf, keine Verkürzung der Arbeitszeit, keine kostenlose Kinderbetreuung, kein Recht auf Abtreibung, keine soziale Sicherheit. Es ersetzt nichts – es dient nur der Illusion, mit sprachlichen Tricks soziale Realität verändern zu können.

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Doppelte Ausbeutung bleibt Realität

Im Kapitalismus bleibt die Frau doppelt ausgebeutet: als lohnabhängige Arbeitskraft und als unentlohnte Reproduktionskraft in der Familie. Wer das mit einem Sternchen übertünchen will, macht sich zum Erfüllungsgehilfen der bürgerlichen Ideologie.

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Reformistische Sprachpolitik als Sackgasse

Die reformistische Linke hat sich längst in der Sprachdisziplin eingerichtet. Wer sich dem verweigert, gilt als „rückständig“. Doch Ausbeutung bleibt Ausbeutung – auch im Binnen-I. Der bürgerliche Staat bleibt ein Herrschaftsinstrument – egal, ob im generischen Maskulinum oder mit Genderstern.

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Was wir wirklich brauchen

Wir brauchen keine neue Sprache, sondern eine neue Ordnung. Nicht inklusivere Begriffe, sondern die Abschaffung der Klassenherrschaft. Wir brauchen keine Sternchen – sondern Klassenkampf!

Daher in diesem Sinne und nicht vergessen:

Hoch die Faust und mutig vorwärts
dieser Staat muss zertrümmert werden

Euer 
Heinrich Schreiber

 

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Über Heinrich Schreiber 271 Artikel
Heinrich Schreiber hat ein Leben gelebt, das kaum unterschiedlicher hätte sein können: gelernter Photokaufmann, Werkzeug- und Kopierschleifer im Akkord, selbstständiger Wirtschaftsberater. Diese Stationen haben seinen Blick auf Arbeit, Kapital und gesellschaftliche Widersprüche geprägt wie kaum etwas anderes. Den entscheidenden politischen Anstoß gab das Jahr 1967, als die Erschießung Benno Ohnesorgs durch die Polizei eine ganze Generation aufweckte. Für Heinrich war es der Beginn eines jahrzehntelangen Engagements in der Gewerkschaftsjugend, der Roten Garde Kiel/ML und später in der KPD/ML. Heute, als Vater von vier Kindern und erfahrener Beobachter politischer Entwicklungen, schreibt und publiziert er weiter.

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