Der Mensch ist von Natur aus gut

Gut und Böse erscheinen im Kapitalismus als Moralfrage, sind in Wirklichkeit jedoch eine Frage der Klasse. | Photomontage: © DerRevolutionär (KI generiert)

Wir wissen, dass der Arbeiter im Kapitalismus zwangsläufig in Krisen gerät. Statt sich mit dem Fortschritt der Industrie zu erheben, sinkt er tiefer unter die Bedingungen seiner Klasse. Er wird zum Pauper. Der Pauperismus wächst schneller als Bevölkerung und Reichtum, wie es im Kommunistischen Manifest heißt.

 

Von Heinz Ahlreip
10. April 2026 | 

Der Grundwiderspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und privater Aneignung verschärft sich mit der Ausdehnung des Produktionsprozesses von Krise zu Krise. Es handelt sich um eine unaufhaltsame Zuspitzung, in der sich allein das Proletariat als revolutionäre Klasse bewähren kann.

Das vergangene Jahrhundert hat gezeigt, dass selbst zwei Weltkriege in kurzem historischen Abstand nicht automatisch zur Weltrevolution führen. Die Arbeiterklasse braucht mehrere Anläufe. Die Vereinigung der Proletarier aller Länder bleibt eine Aufgabe, die erst noch verwirklicht werden muss.

Ohne diese Perspektive bleibt das Leben jedes Arbeiters bedeutungslos. Er bleibt ein Spielball fremder Mächte. Deshalb gilt es, die weltweite Versklavung der arbeitenden Menschen mit revolutionären Mitteln zu sprengen, damit die Welt eine menschliche wird.

Dieser Anspruch steht unter einem grundlegenden Prinzip:

“In allen diesen Bewegungen heben sie (die Kommunisten/H.A.) die Eigentumsfrage, welche mehr oder minder entwickelte Form sie auch angenommen haben möge, als die Grundfrage der Bewegung hervor“.
(Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Werke, Band 4, Dietz Verlag Berlin 1960, 493)

Bereits in der französischen Revolution zeigte sich in ihren radikalen Strömungen eine kollektive Auffassung von gesellschaftlicher Veränderung. Demgegenüber behauptet die imperialistische Ideologie, der Mensch sei von Natur aus böse, wie ein Wolf. Richtig ist nur, dass der Mensch im Kapitalismus gezwungen wird, wie ein Wolf unter Wölfen zu leben. Diese Sicht wird von bürgerlichen Ideologen gegen Bezahlung verbreitet, um die bestehende Ordnung zu rechtfertigen.

Die Grundfrage: Menschenbild und Klassenstandpunkt

Die entscheidende Frage ist längst gestellt: Soll die arbeitende Menschheit Rousseau folgen, der das Privateigentum grundlegend kritisierte und davon ausging, dass der Mensch von Natur aus gut ist? Oder soll sie jenen folgen, die den Menschen als von Natur aus böse darstellen?

Zu Letzteren gehören Vertreter reaktionärer Ideologie und Praxis. Trotz unterschiedlicher Rhetorik vertreten sie im Kern dieselbe Auffassung vom Menschen als egoistisches und zerstörerisches Wesen.

Auch Hegel, dessen Philosophie in den sowjetischen Enzyklopädien der Stalinzeit zu Recht als aristokratische Reaktion auf die bürgerliche Revolution von 1789 eingeordnet wurde, stellte sich gegen die revolutionäre Bewegung. Er diffamierte unter anderem den Terror der Jakobiner. Seine Aussage, es sei noch größer zu sagen, der Mensch sei böse, wurde später von sowjetischen Theoretikern zutreffend als ideologischer Schritt in Richtung Imperialismus bewertet.

Historische Erfahrung und Perspektive

Das 20. und 21. Jahrhundert sind geprägt von faschistischen und menschenverachtenden Exzessen. Massaker folgten auf Massaker. Auch unter Arbeitern gab es rohe und unaufgeklärte Erscheinungen. Lenin wies bereits in „Staat und Revolution“ auf verwahrloste Teile der Arbeiterklasse hin.

Dennoch entwickelt sich die Weltgeschichte in Richtung Kommunismus. Trotz Rückschlägen, Niederlagen und Verzerrungen bleibt die grundlegende Bewegung erhalten. Der historische Prozess bestätigt, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse den Menschen formen. In einer befreiten Gesellschaft wird auch der Mensch selbst befreit.

Die Perspektive ist klar:
Der Triumph des Kommunismus bedeutet zugleich den Triumph der Erkenntnis, dass der Mensch nicht von Natur aus böse ist, sondern durch die gesellschaftlichen Verhältnisse geprägt wird. Mit der Überwindung des Kapitalismus entsteht die Grundlage für eine menschliche Gesellschaft.

Über Heinz Ahlreip 175 Artikel
Heinz Ahlreip, geb. am 28. Februar 1952 in Hildesheim. Von 1975 bis 1983 Studium in den Fächern Philosophie und Politik an der Leibniz Universität Hannover, Magisterabschluss mit der Arbeit »Die Dialektik der absoluten Freiheit in Hegels Phänomenologie des Geistes«. Forschungschwerpunkte: Französische Aufklärung, Jakobinismus, Französische Revolution, die politische Philosophie Kants und Hegels, Befreiungskriege gegen Napoleon, Marxismus-Leninismus, Oktoberrevolution, die Kontroverse Stalin – Trotzki über den Aufbau des Sozialismus in der UdSSR, die Epoche Stalins, insbesondere Stachanowbewegung und Moskauer Prozesse.

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