Arbeitsplätze im Dienst des Krieges
In Mecklenburg-Vorpommern nehmen militärische Rüstungsaktivitäten erneut deutlich zu. Was von Regierung und Konzernen als Fortschritt und wirtschaftliche Chance dargestellt wird, ist in Wirklichkeit Teil der allgemeinen Kriegsvorbereitung im Imperialismus.
Von Heinrich Schreiber
28. März 2026 |
Ein aktuelles Beispiel ist das Unternehmen Polaris, das im Auftrag der Bundeswehr an einem zweistufigen Hyperschall Forschungsflugzeug arbeitet. Der Erstflug ist bereits für Ende 2027 geplant. Getestet wird unter anderem in Peenemünde, einem Ort mit schwerer historischer Last. Die Bundeswehr verweist dabei offen auf die abgelegene Lage, die militärische Erprobung erleichtert. Gleichzeitig bleiben zentrale Inhalte dieser Projekte unter dem Deckmantel der Geheimhaltung verborgen.
Peenemünde als Symbol imperialistischer Kontinuität
Peenemünde steht wie kaum ein anderer Ort für die Verbindung von technologischem Fortschritt und barbarischer Kriegsführung. Hier wurde im Faschismus die V2 Rakete entwickelt, die erste militärisch eingesetzte Großrakete der Geschichte. Tausende Zwangsarbeiter wurden für diese Projekte ausgebeutet und ermordet.
Heute wird dieser Ort erneut in militärische Forschung eingebunden. Wieder geht es um Raketenantriebe, wieder um Technologien mit direkter militärischer Anwendung. Die Parallelen sind offensichtlich. Die Form hat sich verändert, doch der Inhalt bleibt derselbe. Technische Entwicklung im Dienste imperialistischer Machtpolitik.
Ausbau der Rüstungsindustrie in der Region
Die Entwicklung beschränkt sich nicht auf Peenemünde. In Wolgast produziert die Peene Werft Kriegsschiffe für die Bundeswehr. Sie ist inzwischen Teil des Rheinmetall Konzerns, einem der zentralen Akteure der deutschen Rüstungsindustrie. Auch andere Werften in der Region sind in militärische Aufträge eingebunden.
Damit wird Mecklenburg Vorpommern immer stärker in die militärische Infrastruktur des deutschen Imperialismus integriert. Forschung, Produktion und Erprobung greifen ineinander und bilden ein geschlossenes System der Kriegsvorbereitung.
Arbeitsplätze zwischen Notwendigkeit und Klasseninteresse
Es ist unbestreitbar, dass Arbeitsplätze in Mecklenburg Vorpommern notwendig sind. Eine strukturschwache Region braucht sichere Beschäftigung, stabile Einkommen und Perspektiven für die Bevölkerung.
Doch Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie haben noch nie dem Frieden gedient. Sie sind untrennbar mit Krieg, Zerstörung und Tod verbunden. Jeder Arbeitsplatz, der von militärischer Produktion abhängt, bindet die Arbeiterklasse objektiv an die Interessen des Kapitals und seiner Kriegsstrategie.
Die Arbeiter schaffen die materiellen Grundlagen, die später gegen andere Arbeiter in aller Welt eingesetzt werden. Das ist der grundlegende Widerspruch.
Imperialismus bedeutet Aufrüstung
Die aktuelle Entwicklung ist kein Zufall. Sie ist Ausdruck der imperialistischen Epoche. Konkurrenz zwischen den großen Mächten führt zwangsläufig zur Aufrüstung. Neue Technologien wie Hyperschallflugzeuge sind Teil dieser Entwicklung.
Deutschland rüstet auf, um seine Stellung im internationalen Machtgefüge zu sichern. Die Kosten dafür werden auf die arbeitende Bevölkerung abgewälzt. Gleichzeitig werden Regionen wie Mecklenburg Vorpommern gezielt in diese Strategie eingebunden.
Perspektive der werktätigen Klasse
Die Frage ist nicht, ob Arbeitsplätze gebraucht werden. Die Frage ist, wofür produziert wird und in wessen Interesse.
Die Werktätigen haben kein Interesse an Krieg und Aufrüstung. Sie haben ein Interesse an sicheren Arbeitsplätzen, die dem gesellschaftlichen Fortschritt dienen und nicht der Zerstörung.
Die Entwicklung in Mecklenburg Vorpommern zeigt deutlich, dass im Kapitalismus selbst die berechtigte Forderung nach Arbeit in den Dienst imperialistischer Politik gestellt wird.
Was wir Kommunisten davon halten
Peenemünde ist nicht nur ein historischer Ort. Es ist ein warnendes Beispiel. Wo heute wieder militärische Forschung betrieben wird, zeigt sich die Kontinuität eines Systems, das auf Konkurrenz, Aufrüstung und Krieg basiert.
Arbeitsplätze dürfen nicht zum Vorwand werden, um diese Entwicklung zu rechtfertigen. Die Verbindung von Arbeit und Rüstung ist keine Lösung, sondern Teil des Problems.
Nur eine Gesellschaft, die nicht auf Profit und Konkurrenz basiert, kann Arbeit und Frieden miteinander verbinden.