Stalingrad – Der Anfang vom Ende

19.05.2026 | Unter den Trümmern von Stalingrad zerbrach der Mythos der faschistischen Unbesiegbarkeit. Der Sieg der Roten Armee markierte den Wendepunkt des Zweiten Weltkriegs und leitete den Untergang des deutschen Vernichtungskrieges ein. Millionen Sowjetbürger opferten ihr Leben im Kampf gegen Faschismus und Imperialismus. Stalingrad bleibt bis heute Symbol für antifaschistischen Widerstand, Opferbereitschaft und den historischen Sieg über den Hitlerfaschismus. | Photomontage: © DerRevolutionär (KI generiert)

Wie Stalingrad den deutschen Imperialismus brach

Mit der Niederlage der Wehrmacht in Stalingrad vollzog sich ein historischer Wendepunkt. Der Mythos von der angeblichen Unbesiegbarkeit des deutschen Imperialismus, der seit 1933 aufgebaut worden war, zerbrach endgültig. Zehn Jahre lang hatte das faschistische Deutschland versucht, sich als unaufhaltsame Macht darzustellen. Doch wie jede historische Ordnung im Niedergang versuchte auch diese noch einmal, ihre innere Fäulnis hinter Blendwerk und Größenwahn zu verbergen.

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Von Heinz Ahlreip – 19. Mai 2026 | Der Verfall der bürgerlichen Gesellschaft war jedoch längst sichtbar. Der Kapitalismus befand sich in einer tiefen historischen Krise. Liberale und Sozialdemokraten erwiesen sich dabei erneut als ideologische Stützen dieses Systems, weil sie selbst vom Geist der Dekadenz durchdrungen waren.

Am 2. Februar 1943 kapitulierte die gesamte 6. Armee der Wehrmacht. Mit diesem Tag brach nicht nur eine militärische Front zusammen, sondern auch der politische Anspruch Deutschlands auf die Herrschaft über Europa. Die slawischen Völker, jahrhundertelang unterdrückt und verachtet, rückten nun bis an die Elbe vor. Aus dem Land Lenins kam die Kraft, die den Faschismus zurückschlug und Europa vom deutschen Vernichtungskrieg befreite.

Deutschland war vor und nach Stalingrad das reaktionärste und konterrevolutionärste Land der Welt. Bereits Marx stellte fest, dass Deutschland jede Konterrevolution durchlebt, aber nie eine erfolgreiche Revolution vollendet habe. Der deutsche Imperialismus führte Krieg gegen jede Form gesellschaftlichen Fortschritts und gegen die Befreiung der Menschheit.

Der Zusammenbruch des Unternehmens Barbarossa

Am 24. Januar 1943 sandte Hitler einen Funkspruch an den Nordkessel der eingeschlossenen 6. Armee. Darin schwadronierte er von der angeblichen Verteidigung des christlichen Abendlandes und verlangte Kampf bis zum letzten Mann und bis zur letzten Patrone. Zugleich erkannte er selbst, dass mit der Niederlage von Stalingrad der gesamte Feldzug scheitern würde.

Tatsächlich war das Unternehmen Barbarossa ökonomisch und historisch von Beginn an zum Scheitern verurteilt. Bereits die Weltwirtschaftskrise von 1929 hatte die strukturelle Krise des Kapitalismus offengelegt. Während die kapitalistischen Staaten unter Überproduktionskrisen, Massenarmut und Produktionsanarchie litten, entwickelte sich die sowjetische Wirtschaft planmäßig und stabil.

In der Sowjetunion bestand eine Übereinstimmung zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen. Die Großproduktion folgte einer einheitlichen gesellschaftlichen Planung. In den kapitalistischen Ländern dagegen verschärfte sich der Widerspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und privatkapitalistischem Eigentum immer weiter. Die Folge waren Krisen, Arbeitslosigkeit und Verelendung der Volksmassen.

Die kapitalistische Wirtschaft war gezwungen, Waren zu vernichten, während Millionen Menschen Hunger litten. Genau aus dieser historischen und ökonomischen Entwicklung heraus stand der eigentliche Sieger von Stalingrad bereits Jahre zuvor fest.

Der Sieg des Sozialismus über den Imperialismus

Die Schlacht von Stalingrad bewies endgültig, dass die Zeit unangefochtener Siege imperialistischer Räuberstaaten vorbei war. Schon nach dem Bürgerkrieg Anfang der zwanziger Jahre hatte die Sowjetunion die Intervention ausländischer kapitalistischer Mächte zurückgeschlagen. Mit Stalingrad zeigte sich erneut die Überlegenheit eines sozialistischen Systems, das auf gemeinschaftlicher Produktion beruhte, gegenüber Staaten, die vom Klassenkampf und der Profitgier ihrer herrschenden Klassen zerrissen wurden.

Doch dieser Sieg blieb nicht dauerhaft gesichert. Mit dem XX. Parteitag der KPdSU im Jahr 1956 begann der Aufstieg des modernen Revisionismus. Die Sowjetunion wurde Schritt für Schritt entartet und historisch zurückgeworfen. Deshalb darf jede Haltung zum heutigen Russland nicht in Illusionen über Putin oder den russischen Staat verfallen. Putin ist kein Nachfolger bolschewistischer Volkskommissare, sondern Vertreter eines kapitalistischen Staates.

Gerade deshalb ist es notwendig, ein marxistisch leninistisches Koordinatensystem zu verteidigen und den Revisionismus entschieden zurückzuweisen.

Die Wunden von Stalingrad

Die Schlacht hinterließ unermessliches menschliches Leid. Millionen Menschen verloren Angehörige, Heimat und Zukunft. Kinder wuchsen ohne Kindheit auf, verfolgt von Bildern des Krieges und von lebenslangen seelischen Verwundungen. Die Erinnerungen an brennende Städte, verhungernde Menschen und verbrannte Kinder lassen sich nicht auslöschen.

Doch Faschisten, Imperialisten und ihre politischen Helfer versuchen bis heute, diese Geschichte zu verdrängen oder umzudeuten. Während erneut aufgerüstet wird und die imperialistischen Staaten neue Kriegsfronten vorbereiten, zeigt sich die historische Kontinuität der Reaktion.

Dass am 9. Mai 2026 in Berlin das Zeigen von Sowjetfahnen verboten wurde, ist kein Zufall. Berlin bleibt das politische Zentrum jenes deutschen Imperialismus, der seine historische Niederlage niemals verwunden hat.

Revisionismus gegen das revolutionäre Erbe

Auch die sowjetischen Revisionisten leisteten ihren Beitrag zur Auslöschung des revolutionären Erbes. 1961 wurde Stalingrad in Wolgograd umbenannt. Damit sollte nicht nur ein Name entfernt werden, sondern die Erinnerung an den revolutionären Charakter des Sieges selbst.

Nicht der Fluss Wolga hat den Faschismus besiegt, sondern die sozialistische Sowjetunion unter der Führung Stalins, des engsten Schülers Lenins. Mit der Entstalinisierung begann die bewusste Trennung der sowjetischen Bevölkerung von ihrer revolutionären Geschichte.

Der Revisionismus erreichte damit sein Ziel: Der Mensch wurde vom Sockel gestoßen und die revolutionäre Tradition entstellt. Doch die historische Wahrheit von Stalingrad bleibt bestehen. Der Sieg über den Faschismus war ein Sieg des Sozialismus über den Imperialismus.

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Über Heinz Ahlreip 176 Artikel
Heinz Ahlreip, geb. am 28. Februar 1952 in Hildesheim. Von 1975 bis 1983 Studium in den Fächern Philosophie und Politik an der Leibniz Universität Hannover, Magisterabschluss mit der Arbeit »Die Dialektik der absoluten Freiheit in Hegels Phänomenologie des Geistes«. Forschungschwerpunkte: Französische Aufklärung, Jakobinismus, Französische Revolution, die politische Philosophie Kants und Hegels, Befreiungskriege gegen Napoleon, Marxismus-Leninismus, Oktoberrevolution, die Kontroverse Stalin – Trotzki über den Aufbau des Sozialismus in der UdSSR, die Epoche Stalins, insbesondere Stachanowbewegung und Moskauer Prozesse.