Was ich noch sagen wollte:
Drei Euro sechzehn. Pro Liter. An einer Tankstelle in Eschborn.
Irgendwo in einer Vorstandsetage hat jemand diese Zahl abgenickt, sich einen Kaffee eingegossen und weitergemacht. Kein Zögern. Kein Zweifel. Warum auch? Es ist legal. Es ist Markt. Es ist – und hier kommt das Lieblingswort der Herrschenden – Freiheit.
Die Freiheit des Mineralölkonzerns, zu nehmen, was sie nehmen können. Und die Freiheit des Staates, daran mitzuverdienen.

Eine Kolumne von:
Heinrich Schreiber
6. April 2026 |
Raub mit System
Ich höre schon den Einwand: Aber die 12-Uhr-Regel! Der Staat hat doch eingegriffen!
Ja. Er hat den Räubern erklärt, dass sie nur noch einmal täglich rauben dürfen. Und jeden Mittag, pünktlich wie eine Fabrikschicht, steigen die Preise. Verlässlich. Rechtssicher.
Das ist keine Regulierung. Das ist Choreografie.
Denn der Staat steht nicht außerhalb dieses Spiels. Er ist Teil davon. Jeder Cent mehr pro Liter bedeutet automatisch mehr Einnahmen durch Mehrwertsteuer und Energiesteuer. Während an der Zapfsäule gezahlt wird, klingelt gleichzeitig die Kasse des Staates.
Die Steuereinnahmen erreichen historische Höchststände. Nicht trotz der Krise, sondern wegen ihr.
Das ist kein Fehler im System. Das ist sein Zweck.
Arbeit ohne Ertrag – Profit ohne Leistung
Christina Scheib aus Miesbach fährt Lastwagen. Nicht aus Hobby, sondern weil sie davon lebt, oder besser: leben sollte.
200 Euro mehr pro Tankfüllung. Verträge, die sie nicht anpassen kann. „Ich fahre derzeit umsonst“, sagt sie. „Unterm Strich zahle ich sogar drauf.“
Das ist die Realität hinter den Zahlen:
Eine Frau arbeitet. Hart. Körperlich. Mit einem 40-Tonner durch die Republik. Und am Ende profitiert nicht sie von ihrer Arbeit, sondern:
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der Konzern, der den Diesel verkauft
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der Staat, der prozentual an jedem Liter mitverdient
Das nennt die bürgerliche Ökonomie „Marktmechanismus“. Wir nennen es, was es ist: ein Klassenverhältnis.
Der Staat: kein Schiedsrichter, sondern Mitverdiener
Immer wieder wird so getan, als wäre der Staat ein neutraler Vermittler zwischen „Wirtschaft“ und „Verbrauchern“. Als könnte er eingreifen, wenn es „zu schlimm“ wird.
Doch genau das ist die Illusion. Der Staat lebt von diesen Preisen. Er profitiert direkt von jeder Erhöhung. Warum sollte er also ernsthaft eingreifen?
Selbst dort, wo über Maßnahmen gesprochen wird (Preisdeckel, Steuersenkungen), zeigt sich der wahre Charakter: Es wird geprüft, beraten, verzögert. Währenddessen zahlen Millionen weiter.
Wer den Staat als Lösung präsentiert, verschleiert seine Funktion. Er ist kein Gegner des Kapitals, er ist dessen politischer Arm.
Oder anders gesagt:
Die Räuber stehen nicht nur an der Spitze der Konzerne. Sie sitzen auch in den Ministerien.
Diese Einsicht ist zentral: Wer den Klassencharakter des Staates leugnet, fällt auf die alten Illusionen des Reformismus herein und bleibt im Rahmen der bestehenden Ordnung gefangen.
Preisdeckel, Ausland, Illusionen
Ja, andere Länder haben Preisdeckel eingeführt. Ungarn, Kroatien, andere ebenfalls.
Und ja – das entlastet kurzfristig. Aber machen wir uns nichts vor:
Ein kapitalistischer Staat bleibt ein kapitalistischer Staat. Er greift ein, wenn das System zu kippen droht, nicht, um es zu überwinden, sondern um es zu stabilisieren.
Das ist keine Solidarität. Das ist Schadensbegrenzung. Wer darin die Lösung sieht, verwechselt Linderung mit Befreiung.
Organisierte Ohnmacht
Der ADAC mit seinen Millionen Mitgliedern schweigt. Die Politik schreibt Briefe und „prüft Maßnahmen“. Verbände verwalten Interessen, statt sie zu vertreten.
Das überrascht nicht.
Denn in einer Gesellschaft, in der die Macht beim Kapital liegt, werden selbst große Organisationen zu Verwaltern der bestehenden Ordnung. Sie dämpfen Unmut, kanalisieren Protest und verhindern, dass aus Empörung eine politische Kraft wird.
Es ist keine Krise, es ist Normalzustand
Drei Euro sechzehn. Und nächste Woche mehr. Und danach noch mehr. Nicht, weil es nicht anders ginge. Sondern weil es nicht anders gewollt ist.
Was wir erleben, ist keine Ausnahme. Es ist die logische Folge eines Systems, das auf Profit basiert.
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Der Konzern erhöht die Preise.
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Der Staat kassiert mit.
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Die Arbeiter zahlen die Rechnung.
Schluss: Die Zapfsäule als Klassenfrage
Die Zapfsäule zeigt in aller Klarheit, was sonst oft verborgen bleibt:
Wer arbeitet, zahlt. Wer besitzt, kassiert. Und der Staat sorgt dafür, dass es so bleibt. Das ist keine Spritkrise. Das ist Kapitalismus.
Und solange dieses System besteht, wird jede „Entlastung“ nur vorübergehend sein, während die grundlegende Ausbeutung bestehen bleibt.
Drei Euro sechzehn pro Liter sind nicht nur ein Preis.
Sie sind eine politische Aussage.
Daher in diesem Sinne und nicht vergessen:
Hoch die Faust und mutig vorwärts
dieser Staat muss zertrümmert werden
Euer
Heinrich Schreiber