Weihnachten als Ausdruck ideologischer Vernebelung

Was wäre, wenn Weihnachten nie ein spirituelles Fest war, sondern von Anfang an ein Werkzeug zur Massenmanipulation? | Photomontage: © DerRevolutionär (KI generiert)

Was, wenn Weihnachten längst nicht mehr das Fest der Liebe ist – sondern der größte ideologische Nebelwurf des Jahres?

Die Geschenke, das Festessen, der Baum – nichts davon ist harmlos. Hinter allem steckt ein ideologisches System

                    Heinz Ahlreip

Dezember 2025 | Fröhliche Weihnachten? Wie jedes Jahr bewegen wir uns zur Jahreswende auf eine christlich dominierte Zeit zu, die in ihrer Wirkung als „ekelhaft“ bezeichnet werden kann. Diese Periode ist geprägt von einer Infantilisierung nahezu der gesamten Gesellschaft – ausgehend von einer Überhöhung des Kindlichen, symbolisiert durch Glockengeläut und musikalisches Denken, das die Menschen einlullt.

Es versteht sich von selbst, dass in dieser Phase die Geistlichen ihren großen Auftritt haben. Die Kirchen feiern Hochsaison.

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Lenins kritischer Blick auf Musik und Emotionalisierung

Lenin selbst hatte ein ambivalentes Verhältnis zur Musik, was ein Zitat belegt, das uns von Maxim Gorki überliefert wurde. Dieses wird oft verkürzt und damit inhaltlich entstellt wiedergegeben. Hier daher die vollständige Passage:

„Ich weiß nichts Besseres als die Appassionata und könnte sie jeden Tag hören. Was für eine erstaunliche, übermenschliche Musik! Sie macht mich immer stolz, vielleicht mit kindlicher Naivität, zu denken, dass Menschen solche Wunder vollbringen können! Und mit zusammengekniffenen Augen und einem kurzen Lachen fügte er nicht besonders fröhlich hinzu: Ich kann nicht oft Musik hören, es greift meine Nerven an. Ich möchte süße, alberne Dinge sagen und den kleinen Köpfen von Menschen tätscheln, die in einer dreckigen Hölle leben, aber solche Schönheit erschaffen können. Heutzutage kann man niemandem auf den Kopf tätscheln, sie könnten dir die Hand abbeißen. Daher muss man den Leuten auf die kleinen Köpfe hauen, gnadenlos hauen, obwohl wir idealerweise gegen jede Gewalt an Menschen sind. Hm – was für eine teuflisch schwierige Aufgabe!“
(Maxim Gorki über Lenin)

Der entscheidende Punkt liegt im Charakter des Imperialismus, der – metaphorisch gesprochen – zum „Abbeißen der Hand“ führt. Die notwendige Gegenwehr besteht darin, „gnadenlos auf die kleinen, nicht genialen, eben dummen Köpfe zu hauen“. Das ist der Kern des Problems.

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Hegels Kritik am „musikalischen Denken”

Schon Hegel erkannte in seiner Phänomenologie des Geistes die Gefahren eines undifferenzierten Denkens. Er beschrieb dies als:

„…das gestaltlose Sausen des Glockengeläutes oder eine warme Nebelerfüllung, ein musikalisches Denken, das nicht zum Begriffe, der die einzige immanente gegenständliche Weise wäre, kommt.“
(Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Phänomenologie des Geistes, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M., S. 172)

Diese „warme Nebelerfüllung“ ist genau die Atmosphäre, in der sich die Konterrevolution wohlfühlt – und sie zieht darin auch die Jugend heran.

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Die vergessene Lehre Rousseaus und die verlorene Revolution

In dieser nebelhaften Atmosphäre geht eine zentrale Erkenntnis Rousseaus unter – jene, die bereits die Französische Revolution inspirierte:

„Ihr seid verloren, wenn ihr vergesst, dass die Früchte allen gehören und die Erde keinem.“

Das deutsche Volk hat sich in der Konterrevolution von 1989/90 selbst verloren. Es hofft seither vergeblich auf „blühende Landschaften“. Diese können jedoch dort nicht gedeihen, wo Rousseaus Erkenntnis aus dem Jahr 1755 nicht mehr präsent ist.

Die historische Aufgabe besteht darin, das deutsche Volk intellektuell und ideologisch wieder auf das Niveau von 1755 zu heben. Man ließ sich durch „goldene Bananen“ täuschen, ohne zu begreifen, dass dort, wo die Maximierung des Profits alleiniger Zweck ist, die Armen zwangsläufig immer ärmer und die Reichen immer reicher werden.

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AfD, musikalisches Denken und die Rolle der Religion

Blühende Landschaften bleiben aus. Stattdessen wächst ein Acker heran, aus dem die AfD ihre verdorbenen Lebenssäfte zieht. Dumme Köpfe geben sich dem musikalischen Denken hin – nicht, um zu erkennen, sondern um ihre eigene Bedeutungslosigkeit trotz der historischen Erbarmungslosigkeit zu feiern, statt wie Lenin eine revolutionäre Überwindung anzustreben.

Am Erfolg der Konterrevolution hatten unter anderem protestantische Pfarrer wie Friedrich Schorlemmer ihren Anteil. Sie verführten die Jugend mit irrationaler Yeah-Yeah-Musik in die Kirchen. Die Folgen beschreibt Lenin treffend in Staat und Revolution:

„Man könnte wetten, daß von 10000 Menschen, die vom ‚Absterben‘ des Staates gelesen oder gehört haben, 9990 überhaupt nicht wissen oder sich nicht entsinnen, daß Engels seine Schlußfolgerungen aus diesem Satz nicht nur gegen die Anarchisten richtete. Und von den übrigen zehn Menschen wissen neun sicherlich nicht, was der ‚freie Volksstaat‘ ist und warum in dem Angriff auf diese Losung ein Angriff auf die Opportunisten steckt. So wird Geschichte geschrieben. So wird die große revolutionäre Lehre unmerklich dem herrschenden Spießbürgertum angepaßt.“
(Lenin, Staat und Revolution, Werke, Band 25, Dietz Verlag, Berlin, 1960, S. 410)

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Revolutionäre Abgrenzung vom vulgären Pöbel

So zerbricht letztlich der Sozialismus. Es ist daher notwendig, Abstand zu halten zum vulgären musikalischen Pöbel. Lenin gibt in Der „linke Radikalismus“, die Kinderkrankheit im Kommunismus den entscheidenden Hinweis:

„Man darf sich nur bis zu einem bestimmten Grad mit den Massen verschmelzen.“
(Lenin, Ausgewählte Werke, Progress Verlag, Moskau, 1975, S. 567)

 

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Über Heinz Ahlreip 165 Artikel
Heinz Ahlreip, geb. am 28. Februar 1952 in Hildesheim. Von 1975 bis 1983 Studium in den Fächern Philosophie und Politik an der Leibniz Universität Hannover, Magisterabschluss mit der Arbeit »Die Dialektik der absoluten Freiheit in Hegels Phänomenologie des Geistes«. Forschungschwerpunkte: Französische Aufklärung, Jakobinismus, Französische Revolution, die politische Philosophie Kants und Hegels, Befreiungskriege gegen Napoleon, Marxismus-Leninismus, Oktoberrevolution, die Kontroverse Stalin – Trotzki über den Aufbau des Sozialismus in der UdSSR, die Epoche Stalins, insbesondere Stachanowbewegung und Moskauer Prozesse.

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