Merz will, dass wir alle mehr arbeiten

Friedrich Merz beim Neujahrsempfang der IHK Halle-Dessau und der Handwerkskammer Halle am 14. Januar 2026: „Insgesamt ist die Arbeitsleistung unserer Volkswirtschaft nicht hoch genug. Um es noch deutlicher zu sagen: Mit Work-Life-Balance und Vier-Tage-Woche lässt sich der Wohlstand unseres Landes, den wir heute haben, in Zukunft nicht erhalten – und deswegen müssen wir mehr arbeiten.“

Mehr arbeiten für wen?
Die offene Kampfansage der Regierung

 

Die Aussage des Bundeskanzlers ist kein Missverständnis. Sie ist eine klare Kampfansage an die werktätige Bevölkerung.

Wenn erklärt wird, die Menschen in Deutschland arbeiteten zu wenig, dann richtet sich diese Aussage nicht gegen das Kapital, nicht gegen die Profiteure des Systems, sondern gegen die Arbeiterklasse selbst. Gemeint sind jene, die täglich ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, um zu überleben.

Wenn gefordert wird, mehr zu arbeiten, dann bedeutet das nichts anderes als eine Verschärfung der Ausbeutung.

Die Lüge vom gemeinsamen Wohlstand

Der Bundeskanzler behauptet, der bestehende Wohlstand könne nur durch mehr Arbeit gesichert werden. Diese Behauptung verschleiert die Realität.

Der sogenannte Wohlstand ist ungleich verteilt. Während die Arbeiterklasse steigende Preise, unsichere Beschäftigung und wachsenden Druck erlebt, steigen die Profite der Konzerne weiter an. Die Produktivität ist in den letzten Jahrzehnten massiv gewachsen, doch dieser Fortschritt kommt nicht den Arbeitern zugute.

Die Forderung nach mehr Arbeit bedeutet daher nicht mehr Wohlstand für alle. Sie bedeutet mehr Mehrwert für das Kapital.

Angriff auf Errungenschaften der Werktätigen

Die Kritik an Work Life Balance, an Teilzeitarbeit und an der Vier Tage Woche ist ein direkter Angriff auf erkämpfte Verbesserungen.

Jede Verkürzung der Arbeitszeit wurde der herrschenden Klasse in harten Kämpfen abgerungen. Sie war nie ein Geschenk, sondern Ergebnis von Streiks, Organisation und politischem Druck.

Wenn heute verlangt wird, länger zu arbeiten, dann ist das der Versuch, diese Errungenschaften zurückzudrehen.

Das wahre Ziel

Die Forderung nach mehr Leistung dient einem klaren Zweck. Die internationale Konkurrenz zwingt das Kapital dazu, die Ausbeutung weiter zu intensivieren.

Angestellte und Arbeiter sollen mehr arbeiten, damit deutsche Konzerne im globalen Wettbewerb bestehen können. Es geht nicht um das Wohl der Bevölkerung, sondern um die Sicherung von Profiten und Macht.

Solche Aussagen sind im Kapitalismus kein Zufall. Sie treten immer dann auf, wenn die Krise sich verschärft und die herrschende Klasse versucht, die Lasten auf die arbeitende Bevölkerung abzuwälzen.

Antwort der wektätigen Klasse

Diese Angriffe dürfen nicht unbeantwortet bleiben.

Alle Werktätgen müssen erkennen, dass hinter solchen Aussagen ein klarer Klassenstandpunkt steht. Wer mehr Arbeit fordert, fordert mehr Ausbeutung. Wer von Leistung spricht, meint die Steigerung des Profits.

Die Antwort kann nur im gemeinsamen Widerstand liegen. Organisation, Klassenbewusstsein und Kampfbereitschaft sind notwendig, um diesen Angriffen entgegenzutreten.

Nicht mehr Arbeit ist die Perspektive, sondern die Verkürzung der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich.

Schlussfolgerung

Die Worte des Bundeskanzlers sind kein Ausrutscher. Sie sind Ausdruck der Logik des kapitalistischen Systems.

Entweder die arbeitende Klasse akzeptiert diese Angriffe und trägt die Lasten der Krise, oder sie organisiert sich und schlägt zurück.

Die Entscheidung liegt nicht bei den Regierenden, sondern bei den Werktätigen selbst.

 

Erstveröffentlichung am 27.03.2026 auf Die Rote Stimme
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