Wenn dich deine Feinde loben

Für Marx war Deutschland ein ultra-perverses Spießerland. Scham überkommt ihn angesichts der politischen Rückständigkeit und der geistigen Enge. Er fordert die Intellektuellen auf, den Philister genau unter die Lupe zu nehmen und seine gesellschaftliche Funktion offenzulegen. | Photo: © DerRevolutionär (KI generiert)

Wenn dich deine Feinde loben, kannst du sicher sein, einen Fehler gemacht zu haben. Dieser Satz ist keine Redensart, sondern eine politische Richtschnur.

Wenn Sozialdemokraten und Industriespitzen Beifall spenden, dann ist Vorsicht geboten. Sie sind keine Verbündeten der Arbeiterklasse. Sie sind Träger und Verwalter desselben kapitalistischen Systems, das auf Ausbeutung, Krieg und Unterdrückung beruht.

Wer hier Freundschaft wittert, hat die Fronten verwechselt.

Heinz Ahlreip

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Von Heinz Ahlreip 
1. März 2026 |

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Der Hauptfeind steht im eigenen Land

Karl Liebknechts Parole bleibt gültig:

Der Hauptfeind steht im eigenen Land.

Wer diese Erkenntnis vergisst, begeht einen historischen Fehler. Die Relativierung der eigenen Bourgeoisie, die Einbindung in nationale Einheit, die Unterordnung unter staatliche Interessen führen zwangsläufig zu neuen Kriegen und neuen Opfern.

Die Leichen unserer Arbeitsschwestern und Arbeitsbrüder fallen nicht vom Himmel. Sie sind das Resultat imperialistischer Politik, vorbereitet und legitimiert im Inneren.

Wer den Klassenstandpunkt aufgibt, trägt Mitverantwortung für das kommende Blutvergießen.

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Zerschlagung der Diktatur der Bourgeoisie

Die Wirklichkeit bleibt klar: Wir leben unter der brutalen Diktatur der Bourgeoisie über die Mehrheit des arbeitenden Volkes.

Diese Herrschaft ist kein Missverständnis und kein moralischer Fehltritt. Sie ist das notwendige Ergebnis des Privateigentums an Produktionsmitteln.

Was uns kaputt macht, muss kaputt gemacht werden.

An die Stelle der Herrschaft der Ausbeuter gehört die Diktatur des Proletariats. Nicht als Selbstzweck, sondern als notwendiger Übergang zur klassenlosen Gesellschaft. Marx, Engels, Lenin und Stalin haben diese Notwendigkeit nicht aus moralischer Empörung abgeleitet, sondern aus der wissenschaftlichen Analyse der Klassengesellschaft.

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Marx und die Abrechnung mit dem deutschen Spießertum

Für Marx ist Deutschland ein ultra-perverses Spießerland. Scham überkommt ihn angesichts der politischen Rückständigkeit und der geistigen Enge. Er fordert die Intellektuellen auf, den Philister genau unter die Lupe zu nehmen und seine gesellschaftliche Funktion offenzulegen.

Im Mai 1843 schreibt Marx an Ruge:

„Herr der Welt ist er freilich nur, indem er sie, wie die Würmer einen Leichnam, mit seiner Gesellschaft ausfüllt.“
(M. an R., Köln, im Mai 1843, Werke, Band 1, Dietz Verlag, Berlin, 1960, S. 338).

Diese Passage ist keine kulturkritische Laune. Sie ist eine politische Abrechnung mit der deutschen Kleinbürgerlichkeit, die Unterwürfigkeit mit Weltanspruch verbindet.

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Der Bruch mit dem Vaterland

Um die Jahreswende 1843/44 verliert Marx als werdender Internationalist jedes Vaterland. Dieser Prozess ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer bewussten politischen Abkehr.

Beschleunigt wird dieser Bruch durch die Scham über die deutsche Rückständigkeit. Im März 1843 schreibt Marx an Arnold Ruge:

„Der kleinste Holländer ist noch ein Staatsbürger gegen den größten Deutschen.“
(Marx an Ruge, Aus der Treckschult nach Deutschland, März 1843, Dietz Verlag Berlin, 1960,337)

Dieses Urteil ist hart, aber es benennt die politische Ohnmacht des deutschen Bürgertums. Während andernorts staatsbürgerliche Rechte erkämpft wurden, verharrte Deutschland in Zersplitterung und Unterwürfigkeit.

Der marxistische Internationalismus entsteht nicht aus romantischer Weltbürgerlichkeit, sondern aus der Erkenntnis, dass nationale Beschränktheit die Befreiung der werktätigen Klasse behindert.

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Vaterland als ideologischer Nebel

Was bedeutet heute das Wort Vaterland? Es ist ein Anachronismus.

Es dient der Mobilisierung für Kapitalinteressen, für Aufrüstung, für imperialistische Expansion. Nationale Verklärung verschleiert Klassengegensätze und bindet die Werktätigen an ihre eigenen Ausbeuter.

Für Kommunisten gilt:

Unsere Loyalität gilt nicht dem Vaterland, sondern der international, werktätigen Arbeiterklasse.

Nicht Nation, sondern Klasse ist die entscheidende Trennlinie.

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Das bedeutet

Wer Beifall von Sozialdemokraten und Industriekonzernen erhält, sollte sich prüfen.

Wer nationale Einheit predigt, verrät den Klassenstandpunkt.

Wer den Hauptfeind im eigenen Land nicht erkennt, wird ihn im Krieg wiederfinden.

Unsere Aufgabe bleibt eindeutig: Zerschlagung der Diktatur der Bourgeoisie. Aufbau der Diktatur des Proletariats. Treue zum wissenschaftlichen Sozialismus.

Alles andere ist Anpassung.


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Dieser Staat muss zertrümmert werden!

Kampfparole von Wilhelm Pick im Berliner Reichstag am 9. Mai 1932

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| Photo: © DerRevolutionär (KI generiert)


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Über Heinz Ahlreip 170 Artikel
Heinz Ahlreip, geb. am 28. Februar 1952 in Hildesheim. Von 1975 bis 1983 Studium in den Fächern Philosophie und Politik an der Leibniz Universität Hannover, Magisterabschluss mit der Arbeit »Die Dialektik der absoluten Freiheit in Hegels Phänomenologie des Geistes«. Forschungschwerpunkte: Französische Aufklärung, Jakobinismus, Französische Revolution, die politische Philosophie Kants und Hegels, Befreiungskriege gegen Napoleon, Marxismus-Leninismus, Oktoberrevolution, die Kontroverse Stalin – Trotzki über den Aufbau des Sozialismus in der UdSSR, die Epoche Stalins, insbesondere Stachanowbewegung und Moskauer Prozesse.

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