Hybride Lügen, reale Bomben: Wie Kriege heute vorbereitet werden

19.12.2025 | Ich will keine Illusionen aufrechterhalten: Wer heute den Konflikt zwischen NATO, Russland und China analysiert, muss einen klaren Kompass haben – und meiner ist ein kommunistischer. Das bedeutet: Ich lehne sowohl die kriegstreibenden Interessen des westlichen Imperialismus ab, als auch die autoritären Ambitionen der russischen und chinesischen Bourgeoisien, die ihrerseits in imperialistischen Expansionen verstrickt sind. Aber was derzeit von westlicher Seite vorbereitet wird, ist nicht Verteidigung – es ist Eskalation mit Ansage.
Ich habe mir einen Bericht auf dem Blog Moon of Alabama angesehen, der am 2. Dezember 2025 veröffentlicht wurde. Nein, kein Fake – sondern ein hochpolitischer Kommentar mit echtem Hintergrund. Und ich habe die Fakten geprüft. Die Aussagen, auf die sich der Text stützt, stammen aus offiziellen Interviews, Artikeln der Financial Times, Politico, aus NATO-Dokumenten, aus der europäischen Presse. Es ist real: Die NATO spricht offen über präventive Schläge – also über Angriffskrieg unter dem Etikett der „Verteidigung“.
Giuseppe Cavo Dragone, Vorsitzender des NATO-Militärausschusses, sagte es deutlich: Ein „präventiver Schlag“ gegen Russland sei denkbar, wenn hybride Angriffe – also etwa Cyberangriffe oder Sabotage – festgestellt würden. Zwar sprach er von rechtlichen Hürden, und dass dies „fern unserer normalen Denkweise“ sei. Aber allein, dass ein solcher Satz in einem offiziellen Interview fällt, zeigt, wohin die Reise geht. Und sie führt nicht in Richtung Deeskalation.
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Erinnerungen an den Golf von Tonkin
Ich habe ein Déjà-vu. 1964 war es ein angeblicher Angriff auf US-Kriegsschiffe im Golf von Tonkin, der den Vorwand für die Eskalation des Vietnamkriegs lieferte. Später stellte sich heraus: Der Angriff war erfunden. Die Geschichte wurde konstruiert, weil Washington einen Grund brauchte, um in den Krieg einzusteigen.
Was ich heute sehe, ist ein ähnliches Drehbuch:
- Drohnen, die sich im Nachhinein als Sterne oder Fischerboote entpuppen.
- Sabotageakte, die keine sind – wie die beschädigte Gleisstrecke in Polen, bei der Materialermüdung wahrscheinlicher ist als ein Sprengstoffanschlag.
- GPS-Störungen, die Russland angelastet werden – obwohl keinerlei technische Beweise vorliegen.
- Und dann Luftraumverletzungen, bei denen ein Überflug in internationalen Gewässern zur „schwersten Grenzverletzung“ erklärt wird.
Das sind keine Einzelfälle. Das ist eine bewusste Strategie, um ein Klima der Bedrohung zu schaffen – bis ein „Anlass“ gefunden oder geschaffen wird, um endlich militärisch zuzuschlagen. Der Moon of Alabama-Beitrag hat recht, wenn er die Situation als gezielte Eskalation beschreibt. Und ich sage: Das ist keine Verschwörungstheorie – das ist Geopolitik im Endstadium des Kapitalismus.
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Warum das alles? Der Krieg als Geschäftsmodell
Das Ganze hat eine klare ökonomische Grundlage. Kriege sind keine Laune machtbesessener Politiker – sie sind logische Folge kapitalistischer Konkurrenz und imperialistischer Expansionsstrategien. Die NATO braucht den „Feind“ Russland – genauso wie Russland die NATO braucht, um innere Widersprüche mit äußerer Bedrohung zu rechtfertigen. Und der Kapitalismus liebt Rüstungsausgaben, Cyber-Aufrüstung, Geheimdienste, Sonderbudgets und Notstandsgesetze.
Der italienische Verteidigungsminister Crosetto plant eine 5.000 Mann starke Cyber- und KI-Truppe. Unter dem Deckmantel der „Abwehr hybrider Bedrohungen“ wird eine neue Sicherheitsarchitektur aufgebaut. Mit massiven Ausgaben, von denen vor allem westliche Rüstungs- und Techkonzerne profitieren. Wer den Kapitalismus kennt, weiß: Friedensrhetorik ist immer Teil der Kriegsplanung.
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Nein zum imperialistischen Krieg – Nein zu allen Imperialismen
Ich bin kein Freund russischer oder chinesischer Machtpolitik. Der russische Imperialismus, der Überfall auf die Ukraine (auch, wenn es möglicherweise berechtigte Gründe gab), die Repression im Inneren – all das verurteile ich. Aber ich lasse mir nicht von der NATO erzählen, dass sie aus edlen Motiven handelt. Sie handelt aus Klasseninteresse – aus dem Interesse des westlichen Kapitals, das in Konkurrenz zu anderen imperialistischen Machtblöcken steht.
Es reicht nicht, sich einfach „gegen den Krieg“ auszusprechen. Solange der Kapitalismus existiert, wird es Kriege geben. Und solange die NATO als militärischer Arm des westlichen Imperialismus existiert, wird sie Gründe – oder Vorwände – für Eskalationen suchen. Vielleicht reicht eine vermeintliche Cyberattacke. Vielleicht ein Sabotageakt ohne Täter. Vielleicht eine überflogene Insel.
Aber sicher ist: Die werktätige Klasse hat nichts zu gewinnen, wenn die Großmächte sich bekriegen. Unsere Antwort muss internationalistisch sein, klassenbewusst – und klar gegen jeden Imperialismus, ob NATO, Moskau oder Peking. Erst recht ergreifen wir für keinen der Imperialisten Partei.
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Daraus schließe ich:
Was sich vor unseren Augen abzeichnet, ist ein erneutes Spiel mit dem Feuer. Die NATO testet die Akzeptanzschwelle der Öffentlichkeit, bereitet die Erzählung vor, rüstet auf und wird zuschlagen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Nicht zur Verteidigung, sondern zur Sicherung geopolitischer Interessen.
Wir müssen die Stimme erheben. Als Kommunist kann ich nur sagen:
Der einzige Weg zum dauerhaften Frieden, ist der Weg weg vom Kapitalismus. Und der beginnt mit Klarheit.
Nicht über Mythen – sondern über die Realität imperialistischer Interessen auf allen Seiten. Und ich kann es gar nicht oft genug wiederholen:
Ohne revolutionärer Partei – keine Revolution!
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In diesem Beitrag gehe ich auf den Zusammenhang
zwischen Imperialismus, Kapitalismus und Krieg ein
Kapitalismus, Imperialismus und Kriegsgefahr – Eine Klassenanalyse
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