Oktoberrevolution 1917: Die Neubestimmung des Wesens der Politik

Kampf dem Einfluss weißgardistischer Ideologie in den Arbeiterorganisationen I Photo: YouTube Scan

Politik ist Kampf der Parteien um die Macht im Staat – das ist der höchste Horizont der bürgerlichen Wissenschaft von der Politik, die bis so weit, bis dahin den Klassenkampf anerkennt. Dieses grausame Schicksal der Menschheit aber kann nie aufgehoben werden, da der Mensch ein genuin politisches Wesen sei.

 

Von Heinz Ahlreip
23. April 2023

Bürgerliche Akademiker sehen darin eine auf Aristoteles zurückgehende These, die ihre Zuneigung findet. In der Dialektik von Revolution und Konterrevolution handelnde und denkende proletarische Berufsrevolutionäre aber stoßen diese These um, sie hat keinen humanistischen, sondern einen kriminellen Kern, der durch die Oktoberrevolution aufgedeckt wurde. Dieser Kern bleibt, auch wenn es die Sowjetunion nicht mehr gibt. Darin besteht ein großes Vermächtnis der Oktoberrevolution. Die Oktoberrevolution durchbrach eine Schallmauer und zeigte der arbeitenden Menschheit eine Dimension kollektiver Humanität durch die revolutionäre Niederwerfung der parasitären Bourgeoisie an, die bereits durch die Commune in Paris aufblitzte. Diese währte nur 72 Tage, weltgeschichtlich gemessen in der Tat ein Blitz. Die russische Revolution im Oktober revolutionierte das Wesen der Politik u. a. auf dem Gebiet der Partei, der Räte, der Gewerkschaften und der Volksbewaffnung, um vier Kernpunkte des Poltischen herauszugreifen. In allen diesen Punkten stellt der Bolschewismus ein Vorbild der Taktik für alle kommunistischen Arbeiterparteien der Welt dar.

Durch die Oktoberrevolution kam eine Partei an die Macht, die Bankexpropriationen zur Finanzierung der Revolution der Ärmsten der Armen für gerecht hielt und auch praktiziert hat. Darin steckte ein humaner Kern, eingedenk der Worte Brechts: „Was ist ein Banküberfall im Vergleich zur Gründung einer Bank.” Heute nennen sich in der Bundesrepublik einige Klüngel kommunistisch, ohne die Banken und ihr Kapital überhaupt antasten zu wollen. Sie haben die Kritik von Marx an den Pariser Kommunarden nicht präsent, 1871 in einer revolutionären Situation nicht die Bank von Frankreich in Beschlag genommen zu haben. Diese Klüngel von Schwätzern sind natürlich Lichtjahre von der Partei Lenins entfernt, die Bankexpropriationen auch ohne Vorlage einer revolutionären Lage durchführte. Das war eine von vielen Qualifikationen, die gerade diese Partei in den Zenit der Revolution hob. In dieser verstand sie es, sensibel die Stimmung der Massen zu verfolgen und zu beeinflussen, nachdem sie schon vor der Revolution das Vertrauen der ehrlichen Menschen im Proletariat gewonnen hatte. Wie können die klassenbewussten ausgebeuteten Arbeiterinnen und Arbeiter, die klassenbewussten ausgebeuteten Kleinbäuerinnen und Kleinbauern Berufspolitikern, wohl so die übelsten Gesellen in der bürgerlichen Gesellschaft, vertrauen, die auf Grund der kapitalistischen Systemlage sich vor den Großbanken prostituieren und sich von ihnen aushalten lassen müssen? Die russische Partei hob sich von den geldbornierten Schmarotzerparteien, von den Raffern in Westeuropa dadurch ab, dass sie diszipliniert, zentralisiert und aufopferungsvoll für die Interessen der Volksmassen agierte. Russland war ein mit Kleinbesitzern gefülltes Land und daher besonders restaurationsanfällig.

Eine weitere neue Dimension in der Frage der politischen Partei war die, dass die bürgerlichen und kleinbürgerlichen Schmarotzerparteien, bei denen die Geldgier vor dem Studium der Dialektik steht, wie bei fast allen kleinbürgerlichen und bürgerlichen Studenten, auf ein ewiges Bestehen mit Zunahme von Wählerinnen und Wählern im Hinterkopf verharren, während die KPR (B) sich richtig den Gesetzen der Dialektik unterwarf. Entwicklung – Höhepunkt – Absterben. Je höher sich der Kommunismus entwickelt, desto obsoleter wird eine KP. So können nur revolutionäre Parteien denken, bürgerliche Parteien können so nicht denken.

Analog dazu bestimmte Lenin die Räte, die zum ersten Mal in Russland in der Revolution von 1905 historisch in Erscheinung traten, schon in diesem Jahr als Keimformen des Absterbens jedes Staates. Schon in Paris hatten sich 1871 situativ Räte herausgebildet, ohne bereits vorliegende tief theoretisch-perspektivische Konzeption. Die Sowjetunion wurde als ein historisch vorübergehendes proletarisches Staatsgebilde konstruiert. Nur proletarische Staaten bzw. Halbstaaten können so, also auch wieder nur historisch vorübergehend konzipiert sein, während bürgerliche Staaten auf Grund der kapitalistischen Systemlage ihren Terrorismus gegen die arbeitende Bevölkerung ständig erhärten müssen. Die bürgerlichen Regierungen fürchten die Rätemacht, die Ausdruck sich assoziierender Arbeit ist. Wir werden in zukünftigen proletarischen Revolutionen alle durch eine Rätephase hindurch gehen und streng darauf achten müssen, dass die gesellschaftswissenschaftlich blinden und blindwütig gewaltsamen bürgerlichen, im innersten Kern alle durch die Bank faschistoiden Schmarotzerparteien vor den absterbenden internationalen Räten krepieren.

In der Sowjetunion blühten die ganz überwiegend aus Parteilosen zusammengesetzten Gewerkschaften auf. In der Geschichte der Arbeiterbewegung war die Bildung von Gewerkschaften ein riesiger Fortschritt weg von der Zersplitterung hin zur Klassenvereinigung. Im Manifest schrieben Marx und Engels: “Die Arbeiter beginnen damit, Koalitionen gegen die Bourgeoisie zu bilden; sie treten zusammen zur Behauptung ihres Arbeitslohnes“ (Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Werke, Band 4, Dietz Verlag Berlin, 1960,470). Als dann kommunistische Kampfparteien nach dem Urbild des Manifestes aufkamen und revolutionärer wurden, traten zünftlerische rückständige Züge der Gewerkschaften mehr und mehr hervor (Vergleiche Lenin, Der ‘linke Radikalismus‘, die Kinderkrankheit im Kommunismus, in: Lenin: Ausgewählte Werke, Progress Verlag, Moskau, 1975,590). Auch in der Sowjetunion wirkten diese reaktionären Züge nach, Lenin bezeichnete sie als anfangs unvermeidlich auch unter der Diktatur des Proletariats (a.a.O.), aber diese Gewerkschaften hatten hier doch das Terrain, um als wirkliche Schulen des Kommunismus heranzuwachsen, um sogar die Armee mitaufzubauen, während im kapitalistischen Westeuropa die Gewerkschaften des beruflichen Egoismus bloßer apolitischer Lohnbehauptung immer fortschrittsfeindlicher wurden, immer mehr imperialistisch-reaktionäre und korrupte Arbeiteraristokraten aus ihren Eingeweiden hervorbrachten. Lenin stellte im April 1920 fest: “Im Westen haben sich die dortigen Menschewiki in den Gewerkschaften viel mehr ‘festgesetzt‘, dort hat sich eine viel stärkere Schicht einer beruflich beschränkten, bornierten, selbstsüchtigen, verknöcherten, eigennützigen, spießbürgerlichen, imperialistisch gesinnten und vom Imperialismus bestochenen, vom Imperialismus demoralisierten, »Arbeiteraristokratie« herausgebildet als bei uns.“ (a.a.O.,591). In der Sowjetunion aber war die Zeit der von der zaristischen Geheimpolizei Ochrana gegründeten Arbeitervereine als Lockfallen endgültig überwunden, während nach Lenin die westlichen Gewerkschaftsführer Subatows im europäischen Kostüm waren, geschliffener, demokratisch verbrämter, aber politisch genauso niederträchtig wie der Ochrana-Agent Subatow. Allerdings, die Vergangenheitsform ist hier unangebracht, was Lenin analysiert, erfasst doch die Visagen “unserer“ heutigen Gewerkschaftsbonzen. Wer in Deutschland keine Angst vor Vierteilung hat, reißt die zaristischen Gewerkschaftsbonzen vom Pferd.

Die Gewerkschaften arbeiteten in Russland mit am Aufbau der roten Volksbewaffnung. In der Roten Armee bildete sich ein System der Politkommissare heraus, die die Heranbildung der Soldaten im Sinne des wissenschaftlichen Sozialismus im Fadenkreuz zwischen Revolution und Konterrevolution schützten. Sie schirmten die Soldaten vor dem Einfluss weißgardistischer Ideologie ab und brachten die notwendigen Säuberungen besonders in der Armeeführung auf den Weg. Ende der 30er Jahre, als die Partei Lenin-Stalins immer stärker wurde, gab es regelrechte Verschwörer-Netzwerke zwischen Konterrevolutionären in der Partei und hohen Armeeoffizieren, die nach und nach aufgedeckt wurden. In einem Geheimprozess gegen die Armeeführung wurden drei von fünf Marschällen (Blücher, Tuchatschewski, Jegorow) zum Todeverurteilt, die Marschälle Budjonny und Woroschilow überlebten die großen Säuberungen. Das war den bestialischen imperialistischen Armeen direkt entgegengesetzt, großen Kriegsungeheuern, in denen ein kriminelles Offizierskorps Millionen und Abermillionen Soldaten für sich verbluten ließ. Auch der großen sowjetischen Armee gilt es heute nachzueifern durch präventive Liquidierung des faschistischen Offizierskorps der bürgerlichen Republiken.

 

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