Der Hauptfeind steht im eigenen Land
„Der Hauptfeind des deutschen Volkes steht in Deutschland: der deutsche Imperialismus, die deutsche Kriegspartei, die deutsche Geheimdiplomatie. Diesen Feind im eigenen Lande gilt es für das deutsche Volk zu bekämpfen, zu bekämpfen im politischen Kampf, zusammenwirkend mit dem Proletariat der anderen Länder, dessen Kampf gegen seine heimischen Imperialisten geht.“

Von Heinz Ahlreip
1. April 2026 |
Diese Sätze schrieb der deutsche Spartakist Karl Liebknecht im Mai 1915 in einem Flugblatt. Zugleich hielt er die deutsche Arbeiterklasse dazu an, im Krieg alles zu lernen und nichts zu vergessen.
„Der Hauptfeind steht im eigenen Land.“ Diese Erkenntnis bildet den Knotenpunkt einer revolutionären Herangehensweise in der Frage imperialistischer Kriege.
Militarisierung im Imperialismus
Unter imperialistischen Bedingungen nimmt die Militarisierung der bürgerlichen Gesellschaft zu. Sie ist diesem System gewissermaßen wesensimmanent. Die Militarisierung erfasst alle Bereiche.
In diesem Zusammenhang stehen auch die Angriffe der kapitalistischen Herrenmenschen und ihres politischen Anhangs auf den Achtstundentag. Dies kann jedoch nur ein erster Schritt zur politischen Entmündigung der Arbeiterklasse sein. Der Imperialismus benötigt zur Kriegsführung eine militärische Despotie über die Arbeiterklasse.
Im Kriegsfall werden Arbeiterrechte systematisch beseitigt. Darüber dürfen wir uns keine Illusionen machen. Im Kapitalismus ist der Kapitalist Herr im Hause. Das gilt insbesondere in Zeiten eines im imperialistischen Interesse geführten Krieges.
Das gegenwärtige Trommeln für die Verlängerung der Arbeitszeit dient der Beschleunigung der Aufrüstung.
Die Rolle der Gewerkschaften
Die opportunistische Gewerkschaftsführung nimmt zur Frage der Militarisierung eine zwiespältige Haltung ein. In der gewerkschaftlichen Kritik am Imperialismus, wie sie im Aufruf zu den diesjährigen Ostermärschen formuliert wird, bleibt der Imperialismus im eigenen Land ausgeklammert.
Die Losung der Gewerkschaften lautet: „Verletzungen des völkerrechtlichen Gewaltverbots stoppen! Weitere Eskalation des Rüstungswahnsinns verhindern!“
Weiter heißt es im Aufruf des DGB:
„Eine neue Welt(un)ordnung nimmt Gestalt an, die durch die geopolitischen und ökonomischen Interessen und Großmachtansprüche der USA, Chinas und Russlands bestimmt ist. Um ihre Einflusssphären und ihre Zugänge zu Rohstoffen zu erweitern, schrecken sie auch vor der Androhung und Anwendung von Waffengewalt nicht zurück.“
IG Metall und die Frage der Rüstung
In einem Vortrag über die Revolution von 1905 bezeichnete Lenin die Metallarbeiter als Avantgarde und als die besten Elemente des Proletariats. Gilt das noch für die IG Metall von heute?
Die Metaller widersprechen der Ausweitung der Rüstungsproduktion nicht. Im Gegenteil, sie wird in vielen Fällen begrüßt. Dabei werden Waffen produziert, die gleich doppelt gegen die Arbeiterklasse eingesetzt werden können.
Außerhalb Deutschlands dienen sie zur Tötung von Arbeitsbrüdern und Arbeitsschwestern zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Innerhalb Deutschlands können sie zur Niederschlagung von Arbeiteraufständen eingesetzt werden. Rheinmetall aus Düsseldorf und andere Unternehmen produzieren und liefern entsprechende Waffen.
Umso unverzeihlicher ist das Außerachtlassen des deutschen Imperialismus. Deutschland stand 2025 mit 107 Milliarden US-Dollar an vierter Stelle der weltweiten Rüstungsausgaben.
Der deutsche Imperialismus in der Praxis
Der Imperialismus der BRD darf keinesfalls ausgeklammert werden. Deutschland ist in zahlreiche Kriege involviert, etwa durch umfangreiche Waffenlieferungen moderner Systeme in die Ukraine sowie an den derzeit äußerst terroristisch auftretenden Staat Israel. Zudem ist die BRD in zahlreiche Rüstungsgeschäfte weltweit eingebunden.
Eine wichtige Rolle in der internationalen Kriegsführung spielt auch der US-Stützpunkt Ramstein. Er nimmt derzeit eine zentrale Funktion im völkerrechtswidrigen Krieg gegen den Iran ein, an dem auch Israel beteiligt ist.
Was bedeutet dies?
Die zentrale Lehre bleibt bestehen:
Der Hauptfeind steht im eigenen Land. Wer den Imperialismus bekämpfen will, darf den eigenen Staat und seine Rolle im globalen System nicht ausklammern. Nur auf dieser Grundlage kann ein konsequenter Kampf gegen Krieg und Militarisierung geführt werden.
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