Klassenkampf von oben: Wie der DGB seine eigenen Genossen verriet

Nicht Vertretung, sondern Kontrolle: Der DGB fungiert als Bindeglied zwischen Kapital und Arbeit und hält die Arbeiterklasse im Rahmen des Systems. Statt Klassenkampf organisiert er Anpassung – im Interesse der herrschenden Ordnung | Photo: © DerRevolutionär (KI generiert)

Der DGB als Instrument gegen die eigene Basis

DGB-Gewerkschaften im Dienst der Klassenherrschaft

Der DGB tritt als Vertreter der Arbeiterklasse auf. In Wirklichkeit erfüllt er eine andere Funktion: Er bindet die Arbeiterklasse an das kapitalistische System und verhindert ihre revolutionäre Entwicklung.

Diese Rolle ist kein Zufall. Sie ergibt sich aus dem Charakter der Sozialdemokratie, die der Genosse Lenin als bürgerliche Arbeiterpartei analysierte.

Lenin stellte fest:

„Die Opportunisten sind in Wirklichkeit Agenten der Bourgeoisie in der Arbeiterbewegung.“
(Lenin, „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“, Werke, Band 22, Dietz Verlag, Berlin, S. 194)

Der DGB ist organisatorischer Ausdruck genau dieser Linie.

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Überlegungen von:
Heinrich Schreiber

3. April 2026 | 

Sozialdemokratie als Stütze der Bourgeoisie

Lenin zeigte, dass der Opportunismus kein Zufall ist, sondern ein Produkt des Imperialismus. Teile der Arbeiterklasse werden materiell eingebunden und dienen als soziale Basis der Anpassung.

Josef Stalin präzisierte diese Rolle:

Die Sozialdemokratie ist objektiv der gemäßigte Flügel des Faschismus.“
(Stalin, „Über die internationale Lage“, Rede auf dem Plenum des ZK der KPdSU(B), Januar 1924, Werke, Band 6, Dietz Verlag, Berlin, S. 294)

Damit ist ihre Funktion benannt:

Stabilisierung der kapitalistischen Ordnung und Bekämpfung der revolutionären Bewegung innerhalb der Arbeiterbewegung.

Die Säuberungen als praktische Bestätigung

Die Geschichte des DGB bestätigt diese Analyse vollständig.

Bereits in den späten 1940er Jahren begann die systematische Entfernung kommunistischer Kräfte. Kommunisten wurden vor die Wahl gestellt: Unterordnung oder Ausschluss.

Rund 650 erfahrene Funktionäre wurden entfernt, weil sie für ihre Klasse eintraten. Damit wurde gezielt der kämpferische Kern der Arbeiterbewegung ausgeschaltet.

Als 1956 die KPD verboten wurde, schwieg der DGB.

Lenin beschrieb diese Situation grundsätzlich:

„In Wirklichkeit ist der Opportunismus nichts anderes als die Unterordnung der Arbeiterbewegung unter die Bourgeoisie.“
(Lenin, „Der Zusammenbruch der II. Internationale“, Werke, Band 21, Dietz Verlag, Berlin, S. 219)

Sozialfaschismus in der Praxis

Besonders deutlich zeigt sich der Charakter des DGB dort, wo Distanzierungen gefordert oder Ausschlüsse durchgesetzt werden. Hier greift der Begriff Sozialfaschismus in seiner präzisen Bedeutung:

Eine Organisation, die im Namen der Arbeiterklasse auftritt, übernimmt aktiv die Unterdrückung ihrer revolutionären Teile.

Stalin formulierte klar:

„Der Hauptstoß muss gegen den Hauptfeind gerichtet werden, und der Hauptfeind ist der Opportunismus.“
(Stalin, „Über die sozialdemokratische Abweichung in unserer Partei“, 1926, Werke, Band 8, Dietz Verlag, Berlin, S. 270)

Wenn Gewerkschaften Kommunisten ausschließen, erfüllen sie genau diese Funktion.

Angriff auf die revolutionäre Generation

Ende der 1960er Jahre entstand eine neue Generation klassenkämpferischer Arbeiter. Sie organisierten sich unabhängig und stellten die Politik der Gewerkschaftsführung offen in Frage.

Die Antwort war Repression. Mit den Unvereinbarkeitsbeschlüssen wurde der Ausschluss zur offiziellen Linie.

Lenin analysierte diesen Prozess:

„Der Opportunismus ist die Hauptstütze der Bourgeoisie innerhalb der Arbeiterbewegung.“
(Lenin, „Der Imperialismus und die Spaltung des Sozialismus“, Werke, Band 23, Dietz Verlag, Berlin, S. 115)

Repressionsapparat im Inneren

Die Methoden des Apparats waren eindeutig:

  • Denunziation;

  • politische Säuberung;

  • Einschüchterung.

Selbst innergewerkschaftliche Opposition wurde zerschlagen.

Stalin schrieb dazu:

„Ohne Kampf gegen den Opportunismus kann es keinen Sieg der proletarischen Revolution geben.“

(Stalin, „Fragen des Leninismus“, Werke, Band 8, Dietz Verlag, Berlin, S. 33)

Klassenfunktion und historische Kontinuität

Diese Politik setzte sich fort. Als Gerhard Schröder 2003 seine Agenda 2010 verkündete, den größten Sozialabbau in der Geschichte der Bundesrepublik, stärkten die Gewerkschaften dem Kanzler den Rücken. Als Hunderttausende gegen Hartz IV auf die Straße gingen, hielten sich die Gewerkschaftsführungen fern. Sie unterdrückten jeden ernsthaften Widerstand aus den eigenen Reihen. Als 2004 Hunderttausende auf zahlreichen Demonstrationen gegen die bevorstehende Hartz-IV-Reform protestierten, beteiligten sich die Gewerkschaften bewusst nicht daran, sie stärkten stattdessen Kanzler Schröder den Rücken.

Als Reaktion auf die SPD-freundliche Haltung zur Agenda 2010 verloren die DGB-Gewerkschaften grob 1,0–1,5 Millionen Mitglieder.

Lenin beschrieb diese Rolle der Arbeiterführer:

„Die Bourgeoisie kann ihre Herrschaft nicht aufrechterhalten ohne die Unterstützung der Arbeiteraristokratie.“
(Lenin, „Der Imperialismus und die Spaltung des Sozialismus“, Werke, Band 23, Dietz Verlag, Berlin, S. 106)

Die theoretische Schlussfolgerung

Marx und Engels zeigten den Klassencharakter des Staates.
Lenin entlarvte den Opportunismus als Werkzeug der Bourgeoisie.
Stalin zeigte seine aktive Rolle im Kampf gegen die Revolution.

Die Praxis des DGB bestätigt diese Erkenntnisse.

Organisationen, die Distanzierung verlangen, Ausschlüsse durchsetzen und revolutionäre Kräfte bekämpfen, stehen objektiv auf Seiten der herrschenden Klasse. Das ist der Kern dessen, was wir Sozialfaschismus nennen.

Die Notwendigkeit besteht im Bruch statt Anpassung

Die Konsequenz ist eindeutig:

Der Klassenkampf kann nicht innerhalb eines Apparats geführt werden, der ihn unterdrückt. Er muss, – wenn auch vorerst innerhalb des Aparates – gegen ihn geführt werden.

Lenin formulierte es klar:

„Ohne revolutionäre Theorie kann es keine revolutionäre Bewegung geben.“
(Lenin, „Was tun?“, Werke, Band 5, Dietz Verlag, Berlin, S. 369)


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Erklärung der Redaktion zum Begriff Sozialfaschismus:

Der Begriff entstand im Kontext der Komintern-Politik Ende der 1920er Jahre. Auf dem 6. Weltkongress der Komintern in Moskau 1928 wurde die sogenannte „Dritte Periode“ des Kapitalismus ausgerufen. Die Theorie besagte, der Kapitalismus stehe vor seinem finalen Zusammenbruch, und die Sozialdemokratie sei dabei sein letztes Werkzeug zur Unterdrückung der Arbeiterklasse. Daraus folgte die offizielle Linie: Die SPD und andere sozialdemokratische Parteien seien keine Verbündeten, sondern der „soziale Flügel des Faschismus“, kurz Sozialfaschisten.

Stalin als treibende Kraft

Josef Stalin war der wesentliche Architekt dieser Linie. Bereits 1924 hatte er in einem Aufsatz formuliert, Sozialdemokratie und Faschismus seien „keine Gegensätze, sondern Zwillinge“. Der 6. Weltkongress verfestigte diese Haltung zur verbindlichen Doktrin aller Komintern-Mitgliedsparteien weltweit, also auch der KPD in Deutschland.

Folgen in Deutschland

Für die KPD bedeutete das in der Praxis, dass die SPD als Hauptfeind galt, nicht nur die NSDAP. In den Jahren 1929 bis 1933 weigerten sich die KPD und SPD konsequent, gemeinsam eine Einheitsfront gegen Hitler zu bilden. Die SPD sprach offen, dass die Nationalsozialisten, wenn sie erst die Regierung bilden, selber scheitern würden, was eine völlige Fehleinschätzung war.

Diese Linie hatte verheerende Folgen. In den entscheidenden Jahren der Weimarer Republik bekämpften KPD und SPD einander teils erbitterter als beide die NSDAP, was eine geeinte Arbeiterfront gegen den Nationalsozialismus verhinderte.

Ende der Linie

Die Sozialfaschismus-Doktrin wurde 1935 offiziell aufgegeben, wieder auf einem Komintern-Kongress: dem 7. Weltkongress in Moskau im Sommer 1935. Georgi Dimitroff hielt die Schlüsselrede und verkündete die neue Linie der „Volksfront“, die breite Bündnisse gegen den Faschismus forderte, nun auch mit Sozialdemokraten. 

Heute ist die SPD wieder (oder immer noch) eine der antikommunistischen Speerspitzen, sodass ihre Führung, wieder diesem Sprachgebrauch entspricht.

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Über Heinrich Schreiber 268 Artikel
Als inzwischen „Best Ager", ist die berufliche Vita schon etwas umfangreicher. Gelernter Photokaufmann, tätig als Werkzeug- und Kopierschleifer im Einzelakkord, aber auch viele Jahre als selbständig tätiger  Wirtschaftsberater waren Heinrich's beruflichen Herausforderungen. Bereits im Alter von 13 Jahren ist Heinrich mit Polizeigewalt bei einer Demonstration in der Kieler Innenstadt in Berührung gekommen. Hintergrund war der Schahbesuch 1967 in Berlin und die Erschießung des Studenten Benno Ohnesorg durch die Berliner Polizei. Das hat ihn sehr früh politisiert und seine zukünftigen Aktivitäten als Jugendvertreter und in der Gewerkschaftsjugend, in der Roten Garde Kiel/ML und später KPD/ML waren daraufhin logische Konsequenz. Heinrich ist Vater von vier erwachsenen Kindern und begleitet das politische Geschehen mit Berichten und Kommentaren aus marxistisch-leninistischer Sicht.

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