Ken Jebsen steigt zum Liebling des VS auf

Die Geheimdienstorganisation gegen Andersdenkende heißt in der Bundesrepublik beschönigend – Verfassungsschutz. Wir Kommunisten kennen diese „geheimen Schützer“ von jeher. Jetzt hat der Geheimdienst seine „Liebe“ zu KenFM, alias Ken Jebsen oder richtigerweise zu Kayvan Soufi-Siavash entdeckt. Der Internetsender und andere „alternative Medien“ schürten die politische Entfremdung in Deutschland, argumentiert die Behörde. Oh ja aber natürlich! Es ist nicht etwa die Coronapolitik, oder dass die Politik mit ihren Disziplinierungsmaßnahmen die Akzeptanz der geschätzten Zuschauer versaut hat, dass jetzt die Grünen (!!) ernsthaft Chancen auf die Kanzlerschaft haben, und dass ausgerechnet DIE jetzt Waffen an die Ukraine schicken wollen, nein nein, es ist KenFM, der „politische Entfremdung“ schürt!!!

Nicht etwa dass man bei uns jahrelang auf Youtube statt Musikvideos nur Gema-Banner bekam, und dass es bei uns eine Abmahnmafia für Kuchenfotos und Kinofilme gibt, die man für 2 Euro fuffzig auf Amazon mieten kann. Nicht etwa, dass jetzt unter dem Banner der Terrorismusbekämpfung politische Vorzensur eingeführt wird. Nein, heute Ken Jebsen, morgen ein anderer Blogger und Kommunisten sowieso.

Dass ein unabhängiger Journalist naiv, ja sogar reaktionär, für das Grundgesetz votiert, ist aus Sicht der Herrschenden ja ganz OK, aber bitte so, „wie wir es wollen“ und schon gar nicht gegen die gleichgeschalteten Qualitätsmedien. „Eine Zensur findet nicht statt“ – sagt das Grundgesetz. Doch wen interessiert das Grundgesetz, wenn YouTube seine eigene AGB‘s hat?

Wisst ihr, was bei mir gerade akut politische Entfremdung schürt? Dass die EU gerne unser aller private Chats und Messenger totalüberwachen will. Wegen der, äh, Kinderpornographie!?!? Da kann man sich streiten, ob es wirklich bei Kinderpornographie um solche geht. Aber immerhin ist es ein Taschenspielertrick, dass der Staat hier so tut, als müsse er bei jedem den Tausch von Bilden unterstellen. Bisher war das Argument ja noch der Terrorismus. Klar kann man argumentieren, der Markt müsse zerstört werden, indem man den Nachschub abschneidet. Viel Erfolg dabei. Schnell, fällt jemandem ein Markt ein, der durch Kriminalisierung des Nachschubs ausgetrocknet wurde? Alkohol? Drogen? Waffen? Jemals? Irgendwas?

Für mich sieht das so aus, als wenn sie hier ein halbes Dutzend Fälle pro Jahr als Vorwand nehmen, um sich einmal einen Blankoscheck zur digitalen Totalüberwachung auszustellen. Aber hey, wisst ihr, wer schuld ist an der politischen Entfremdung? Ken Jebsen, Blogger, Andersdenkende, Kommunisten…, wobei die letzteren die Schlimmsten sind und darauf sind wir stolz.

In diesem Sinne

Hoch die Faust und mutig vorwärts

Euer 
Heinrich Schreiber

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Über Heinrich Schreiber 272 Artikel
Heinrich Schreiber hat ein Leben gelebt, das kaum unterschiedlicher hätte sein können: gelernter Photokaufmann, Werkzeug- und Kopierschleifer im Akkord, selbstständiger Wirtschaftsberater. Diese Stationen haben seinen Blick auf Arbeit, Kapital und gesellschaftliche Widersprüche geprägt wie kaum etwas anderes. Den entscheidenden politischen Anstoß gab das Jahr 1967, als die Erschießung Benno Ohnesorgs durch die Polizei eine ganze Generation aufweckte. Für Heinrich war es der Beginn eines jahrzehntelangen Engagements in der Gewerkschaftsjugend, der Roten Garde Kiel/ML und später in der KPD/ML. Heute, als Vater von vier Kindern und erfahrener Beobachter politischer Entwicklungen, schreibt und publiziert er weiter.