Die arbeiterfeindlichen Ansichten des Ludwig v. Mises

Die Ideologie des Ludwig Heinrich Edler von Mises

Ein galizischer Adliger „widerlegt“ den Sozialismus

Bereits vor dem ersten Weltkrieg hatte sich der aus Lemberg (Lwow) stammende galizische Adlige Ludwig Heinrich Edler von Mises (1881-1973) mit Nationalökonomie befasst und seine liberalistischen Ideen in Büchern und Vorlesungen verbreitet. Auf ihn griff man nun unter Gorbatschow zurück. Von Eitelkeit und Selbstüberschätzung durchdrungen, hatte Mises behauptet, er sei es gewesen, der den Bolschewismus in Österreich, und damit die „Katastrophe“ (einer revolutionären Entwicklung nämlich!) verhindert habe; er hielt sich wohl für einen der führenden Philosophen der damaligen Zeit. Wie auch sein Schüler, Friedrich von Hayek, war er bestrebt, mit „rein theoretischer Analyse“ zu beweisen, dass der Sozialismus von Anfang an zum Scheitern verurteilt sei, da er das „Kalkulationsproblem“ in der Wirtschaft nicht lösen könne, was völlig zweifelsfrei zu Chaos und Niedergang führen müsse. Wer den Umverteilungsstaat wolle, dürfe sich über die damit zugleich notwendig werdende Bürokratie nicht wundern. Seine marktradikalen und arbeiterverachtenden Theorien werden auch heute noch von bürgerlichen Ideologen vertreten. Und sie ziehen sich nahezu durch die gesamte bürgerliche Literatur. Die Ironie der Geschichte will es ferner, dass sogar einige angeblich marxistische Wissenschaftler dieser seltsamen „Logik“ erlegen sind. Doch das nur am Rande. Schauen wir also einmal genauer hin…

Was schrieb nun dieser edle Herr von Mises?

Ludwig Heinrich Edler von Mises

Ein Vielschreiber fürwahr, dieser edle Adelsmann, und ein eklektischer Schwätzer zumal. Er kleistert alles zusammen, was seinem Grundgedanken entspricht, nämlich dem, daß es auf der Welt nichts besseres gäbe, als freies Unternehmertum: Jeder sei seines eignen Glückes Schmied! Dahinter steckt immer die Frage: Warum bist du noch kein Unternehmer geworden, du Dummkopf?  Keine einzige seiner Behauptungen ist theoretisch fundiert, ja, er macht sich nicht einmal die Mühe irgendetwas zu beweisen, geschweige denn das Gegenteil zu entkräften. Statt Argumente finden wir bei ihm nur Spott, statt logischer Erklärungen nur Verdrehungen und aus dem Zusammenhang gerissene Beispiele und Zitate. Er behauptet irgendetwas etwas, und der Leser hat es bitteschön zu glauben. Hier ein Beispiel. Mises schreibt:

„Eine Nation ist heute um so wohlhabender, je weniger sie versucht hat, dem freien Unternehmungsgeist und der Privatinitiative Hindernisse in den Weg zu legen. Die Bevölkerung der Vereinigten Staaten von Amerika ist wohlhabender als die aller anderen Länder, weil ihre Regierung sich später als die Regierungen aller anderen Weltteile auf die Politik der Eingriffe in das Geschäftsleben eingelassen hat.“ [1]

Ja, bitte, wo befindet sich denn der Reichtum der Nation? In den Banktresoren Washingtons, in den Hosentaschen der durch Manhattan eilenden Passanten oder liegt er dort nur so auf der Straße? Und wer verdient denn das meiste an den Geschäften? Diejenigen, die die Produkte herstellen, mit denen Geschäfte gemacht werden, oder diejenigen, die sie verkaufen? Doch sehen wir weiter:

„Ob Unternehmer oder andere Berufstätige – alle Spezialisten sind sich vollkommen darüber im Klaren, dass sie von den Weisungen der Verbraucher abhängen. Tägliche Erfahrung lehrt sie, dass im Kapitalismus ihre Hauptaufgabe im Dienst am Kunden besteht. Jene Spezialisten, denen es am Verständnis der grundlegenden gesellschaftlichen Probleme ermangelt, bedauern diese „Knechtschaft“ zutiefst und wollen befreit werden. Der Aufstand der kleingeistigen Experten ist eine der stärksten Kräfte, die die allgemeine Bürokratisierung vorantreiben.“ [2]

Völlig klar. Nur die Kunden bestimmen, welche Musik gespielt wird, wie beim Jobcenter auch. Es ist ja augenfällig, dass die Bürokratie immer mehr zunimmt, und dass sie (und nicht der Kapitalismus) die Wurzel allen Übels ist. Doch was ist eigentlich Bürokratismus? Unter Bürokratismus verstehen wir die formalistische Auslegung von Vorschriften; ein System der hemmenden Beamtenherrschaft bzw. Umständlichkeit. [3] Und eben das hat überhaupt nichts mit einer Einmischung des Staates in die Privatwirtschaft zu tun. Ganz im Gegenteil. Der Staat ist immer noch das Werkzeug der herrschenden Kapitalistenklasse. Bei Mises findet man kein Wort der Erklärung, flott schreibt er sich von einem Thema zum anderen. Und dabei stützt er sich auf Allerweltsmeinungen, die bestenfalls einer Biertischdiskussion genügen dürften. Mit Wissenschaftlichkeit hat das Ganze nicht zu tun.

Und ist es auch weit verbreitet, so ist es dennoch falsch!

Ja, der edle Herr von Mises… Überall auf der Welt gibt es heute Institute seines Namens und überall werden Bücher und Pamphlete mit seinem arbeiterfeindlichen Gedankengut verbreitet. Tausendfach findet man Zitate, die zumeist auch noch in den Status eines ewiggültigen Aphorismus hochgejubelt werden. Im Vorwort zu einem der Schmöker von Mises schreibt einer seiner begeisterten Anhänger: „Auch heute, da nach dem Untergang des Sowjetimperiums die Frage des Systemkampfs zwischen Sowjetsozialismus und Marktwirtschaft, die im Mittelpunkt so vieler seiner Bücher steht, entschieden ist, bleibt Mises’ Oeuvre eine beeindruckende Lektüre. Seine Widerlegungen des planwirtschaftlichen Sozialismus sind ein wahres Muster an theoretischer Klarheit und Geschlossenheit.“ [4] Ja, wenn diese Leute sich da nur nicht verrechnet haben…

Lenin und der Liberalismus

Bereits im Jahre 1904 hatte sich Lenin mit den liberalistischen Ideen auseinandergesetzt. Er schrieb: „Als Ideologen der Bourgeoisie verstehen die Liberalen ausgezeichnet, dass der praktische Sinn, die Nüchternheit, der Ernst der Arbeiterklasse, d.h. die faktische Beschränkung ihres Tätigkeitsgebietes auf den Kapitalismus, auf Reformen, auf den gewerkschaftlichen Kampf usw. für die Bourgeoisie vorteilhaft ist. Gefährlich und bedrohlich ist die‚ revolutionäristische Beschränktheit‘ des Proletariats und sein Bestreben, im Namen seiner Klassenaufgaben die führende Rolle in der allgemeinen russischen Volksrevolution zu übernehmen.“ [5]

Also: die Bourgeoisie wünscht sich möglichst handzahme, angepasste Arbeitssklaven, die keine revolutionären Flausen im Kopf haben, die möglichst nicht nachdenken und schon gar nichts hinterfragen: Wer profitiert denn vom produzierten Reichtum der Nation? Worin besteht denn das Recht der herrschenden Klasse auf Ausbeutung. Woher kommt denn die Armut? Und wie entstehen denn die Krisen? Ist es denn gerecht, wenn ein Hundertstel der Menschheit über fast 90% des gesamten Vermögens auf der Welt verfügen? Warum gibt es denn die Gleichberechtigung der Frau nur auf dem Papier? Warum müssen denn die Arbeiter ihre Rechte immer erst erkämpfen? . . . Und noch einmal Lenin:

Lloyd George suchte zu beweisen, dass eine Koalition der Liberalen mit den Konservativen, und zwar eine ‚enge‘ Koalition, notwendig sei, denn sonst könne die Arbeiterpartei siegen, die Lloyd George als Sozialistische Partei „zu bezeichnen vorzieht“ und die das „Gemeineigentum“ an den Produktionsmitteln anstrebe. „In Frankreich hieß das Kommunismus“, erläuterte der Führer der englischen Bourgeoisie in populärer Weise seinen Zuhörern, den Mitgliedern der parlamentarischen Liberalen Partei, die das bisher vermutlich nicht gewusst haben, „in Deutschland hieß das Sozialismus, und in Russland heißt es Bolschewismus“. Für die Liberalen, legte Lloyd George dar, sei das grundsätzlich unannehmbar, denn die Liberalen seien grundsätzlich für das Privateigentum. „Die Zivilisation ist in Gefahr“, erklärte der Redner, und deshalb müssten die Liberalen und die Konservativen zusammengehen. (…) Der Leser sieht daraus, dass Llloyd George nicht nur ein sehr kluger Mann ist, sondern auch viel von den Marxisten gelernt hat. Es wird nicht schaden, wenn auch wir von Lloyd George lernen. [6]

Der Liberalismus in der BRD

Nach 1945 erlangte der Liberalismus neuen Einfluss. Die volle Herausbildung des staatsmonopolistischen Kapitalismus wurde namentlich in der BRD mit liberalistischen Losungen von der „freien Marktwirtschaft“ und der „freiheitlich-pluralistischen Demokratie“ zu verschleiern versucht. Ideologisch wird der Liberalismus als  „Weltanschauung der Mitte“ angepriesen. Imperialistische Ideologen und Politiker sehen in ihm ein Instrument zur Leugnung der historischen Überlebens des Kapitalismus sowie zur Bekämpfung des Sozialismus und des Marxismus-Leninismus. [7]

Kurzum: es lohnt sich nicht, diesen Schwachsinn des Herrn von Mises zu lesen oder gar widerlegen zu wollen – er ist und bleibt ein Rattenfänger für die ungebildete Mittelschicht, die immer noch hofft, eines Tages reich zu werden, zu den Siegern der Geschichte zu gehören und den absterbenden Kapitalismus für sich zu neuem Leben erwecken zu können. Wer aber wirklich wissen will, welchen Lauf die Geschichte nimmt, der sollte sich mit den Werken von Marx, Engels, Lenin und Stalin vertraut machen…

[1] L.v. Mises: Die Wurzeln des Antikapitalismus. Fritz Knapp Verlag, Frankfurt a.M., 1979, S.7.
[2] L.v. Mises: Bürokratie. Academia Verlag, Sankt Augustin, 2004, S.96.
[3] Großes Fremdwörterbuch. VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1977, S.122.
[4] Detmar Doering: Einführung usw. In: Ludwig Mises „Bürokratie“, a.a.O., S.8.
[5] W.I. Lenin: Ausgewählte Werke in 6 Bänden, Dietz Verlag Berlin, Bd.II, S.131f.
[6] W.I. Lenin: Der „linke“ Radikalismus…, ebd., Bd.V, S.535f.
[7] vgl. Kleines politisches Wörterbuch, Dietz Verlag Berlin, 1986, S.570.

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