DIALEKTIK – UNSERE SCHÄRFSTE WAFFE

Marx und Engels, welche die Dialektik zur Grundlage ihres Historischen Materialismus wählten

Der Zusammenhang zwischen der Perestroika und der Hilflosigkeit herumzappelnder bürgerlicher Ideologen vor der Lösung die Existenz der ganzen Menschheit in Frage stellender Globalkrisen unserer Tage ist wenig aufgeworfen, noch weniger stimmig aufgezeigt worden. Und doch ist dieser Zusammenhang wissenschaftsgeschichtlich auf der Hand liegend und er betrifft fundamentale, von Modephilosophien und dem Aufspreizen von intellektuellen Augenblicksgötzen überwucherte Überkreuzungen dekadenter Ideologien am Ende des 20. und zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

Von Heinz Ahlreip
09. Januar 2023

Ideologien in der Vorgeschichte der Menschheit waren lange Zeit bestimmt, festgefahren und gelähmt in der ideologiemäßig gepflegten, lebensbestimmenden Relation Mensch : Gott. Im Zuge der mentalen Befreiung von mittelalterlichen Weltbildern verschob sich diese Priorität auf der Seite der Praxis zur nunmehr lebensbestimmenden Relation Mensch : Arbeit, auf der Seite der Theorie vollzog sich die Dominanzverschiebung von der Relation Mensch : Gott zu der von Mensch : Dialektik. In der Praxis muss der Mensch die Wahrheit, die Diesseitigkeit seines Denkens beweisen, heißt es in der zweiten Feuerbachthese von Marx (Vergleich Karl Marx, Thesen über Feuerbach, Werke, Band 3, Dietz Verlag Berlin, 1960,5). Dieser rühmt Hegel 1844 in den Pariser Manuskripten, dass er den Menschen als Resultat seiner eigenen Arbeit begriffen und dargestellt habe. Nach der Befreiung von mittelalterlichen Weltbildern kam es zu utopisch schwärmerischen Verheißungen für die Zukunft, ehe in der Theorie von Marx und Engels in Gestalt des wissenschaftlichen Sozialismus die Möglichkeit des Menschen mehr zu produzieren als er für seinen eigenen Unterhalt braucht, seine Relation zur Arbeit und Dialektik, die durch die technisch-industrielle Revolution gegebene Möglichkeit, die Produktion ins Unendlich zu vermehren, mit dem negativen Beigeschmack der Überproduktionskrisen, in die richtigen dialektischen Zusammenhänge und Sukzessionen gebracht wurde. Aus der Konjunktion von Arbeit und Dialektik in atheistischer Tendenz und Fassung war eine wissenschaftlich begründete grundsätzliche Ausgangsbasis gewonnen, die die bürgerliche Ideologie gestern, heute und auch in Zukunft nicht hinbekommen kann. Für die Bewältigung der heutigen Globalkrisen liegen also zwei sich aus dem dialektischen Entwicklungsgang gesellschaftlicher Prozesse ergebende entgegengesetzte Konzepte vor: ein proletarisches Konzept und ein bürgerliches. Auf welches soll die arbeitende Menschheit setzen?

Im weltgeschichtlichen Überschlag der Wissenschaftsgeschichte hat sich die Relation Mensch : Gott als äußerst unfruchtbar, als Reflex weitgehend stationärer Gesellschaften erwiesen. Alles wurde unter dem Aspekt Sub specie aeternitatis betrachtet, aus dem Blickwinkel göttlicher Ewigkeit, während im dialektischen Denken alles der Zeit, dem Raum und den Umständen unterliegt. Jeder ist ein Sohn seiner Zeit. Alles in der Natur und in der Gesellschaft unterliegt der Gesetzmäßigkeit: Aufstieg – Höhepunkt – Zerfall. In der Phase des hektischen, kriegsgetriebenen Imperialismus können nur in Romantizismen ersoffene, aus reaktionären Klassen stammende Menschen in der Religion ein Rettungsanker erblicken. Die Geschichte des Zerfalls der Sowjetunion hat auf theoretischer Ebene den Erweis erbracht, dass mit zunehmender, ökonomisch bedingter Dekadenz der gesellschaftliche Wert der Religion zwangsläufig steigt. Die innersowjetische und die ausländische Reaktion wussten immerhin auch Jahrzehnte nach der Oktoberrevolution noch, wo sie theoretisch angreifen musste. Es lag auch auf der Hand: Bekanntlich hatte Engels 1888 in seiner Studie über Feuerbach die materialistische Dialektik, die die Hegelsche Begriffsdialektik überwunden hatte, als “unsere schärfste Waffe“ bezeichnet (Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Werke, Band 21, Dietz Verlag Berlin, 1960,293). Diese galt es, aus der Hand zu schlagen.

Verfolgt man Artikel in sowjetischen Fachzeitschriften für Philosophie nach 1953, so wurden die strengen Gesetze der materialistischen Dialektik mehr und mehr verwässert, insbesondere die lebendigste Negation der Negation, das ausgesprochene Theorem der Flüssigkeit, wurde zusehends verflacht. In der Perestroika-Ideologie präsentierte sich eine besonders von Jakowlew, einem engen Berater Gorbatschows, vertretene Entwicklungsvorstellung, die Entwicklung als eine von einfachen zu immer komplexeren Formen ausgab. Das war in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts der dernier cri der intellektuellen Mischpoke. Wie soll insbesondere nach dem Auf- und Ausstoßen der Gulaschhäppchen der Warenproduktion eine innere und äußere Naturbeherrschung noch statthaben? Die Negation der Negation war der bloßen, den Menschen immer unerreichbaren Akkumulation gewichen. Das war im Grunde schon das im Fortschrittsoptimismus der französischen Revolution von dem Girondisten Condorcet stufenförmig hochgezüchtete evolutionistische Entwicklungsmodell. Condorcet starb am 27. März 1794 auf der Flucht vor politischen Kommissaren der Jakobiner, Jakowlew am 18. Oktober 2005 ohne Fremdeinwirkung als Stammmitglied der Gorbatschow-Mafia. Die schärfste Waffe lag am Boden. Immer ist es das virulente Bestreben der Reaktion, Dialektik durch Eklektizismus, durch die Betrachtung Sub specie aeternitatis zu ersetzen. Mit den Schriften des Marquis Condorcet und denen des Pseudokommunisten Jakowlew ist heute den Krisen von der Inflation bis zum Klima … usw. nicht beizukommen.

So steht heute die arbeitende Menschheit aus der verdorbenen Frucht der Perestroika herrührend theoretisch nackt und praktisch unbewaffnet da. Im lokalbornierten Deutschland gilt Gorbatschow noch etwas und Menschen mit lokalborniertem politischem Verstand plappern das Lob der deutschen Reaktion nach, die ihn richtig erkennend als ihren Befreier feiert; in den Augen der arbeitenden Menschheit gilt er zu Recht als ein Nichts, als noch weniger als ein verkommenes politisches Subjekt. Es gilt heute, das Schwert von Marx und Engels aufzuheben, es unter Berücksichtigung seiner weiteren Schärfungen durch Lenin und Stalin zu putzen und eine Meisterschaft in seiner Handhabung zu entwickeln – zum Schrecken der imperialistischen Reaktion weltweit, die die Krisen verursacht hat und mit dem Schwert zur Kasse gebeten werden muss. Nur mit Hilfe der materialistischen Dialektik kann heute ein Grundmangel der kleinbürgerlichen Protestbewegung à la Greta Thunberg gegen die hochgefährlichen, an der Kippe zu Weltkatastrophen stehenden Krisen aufgezeigt werden: Dieser kleibürgerlich-reaktionäre Mob, der sich von einer 19jährigen, dahergelaufenen Schulgöre mangels eigener politischen Kreativität leiten lassen muss, was doch schon sehr viel aussagt, geht die auf den Nägeln brennenden Weltprobleme ohne die Dialektik von Revolution und Konterrevolution an — und ist zwangsläufig zum Scheitern verurteilt.

 

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Über Heinrich Schreiber 130 Artikel
Als inzwischen „Best Ager", ist die berufliche Vita schon etwas umfangreicher. Gelernter Photokaufmann, tätig als Werkzeug- und Kopierschleifer im Einzelakkord, aber auch viele Jahre als selbständig tätiger  Wirtschaftsberater waren Heinrich's beruflichen Herausforderungen. Bereits im Alter von 13 Jahren ist Heinrich mit Polizeigewalt bei einer Demonstration in der Kieler Innenstadt in Berührung gekommen. Hintergrund war der Schahbesuch 1967 in Berlin und die Erschießung des Studenten Benno Ohnesorg durch die Berliner Polizei. Das hat ihn sehr früh politisiert und seine zukünftigen Aktivitäten als Jugendvertreter und in der Gewerkschaftsjugend, in der Roten Garde Kiel/ML und später KPD/ML waren daraufhin logische Konsequenz. Heinrich ist Vater von vier erwachsenen Kindern und begleitet das politische Geschehen mit Berichten und Kommentaren aus marxistisch-leninistischer Sicht.